Kritik zu Exit 8
Basierend auf einem Computerspiel erzählt der Japaner Genki Kawamura, wie ein namenloser Mann in einem Labyrinth aus U-Bahn-Unterführungen gefangen ist.
Nach Verlassen der U-Bahn kann der namenlose junge Mann den Ausgang aus der weiß gekachelten Unterführung nicht finden. Zudem ist er plötzlich ganz allein, wieder und wieder kommt er an denselben Schließfächern vorbei. Wird er ewig im Kreis laufen? Das ist der Ausgangspunkt eines psychedelischen Horrorfilms nach einem gleichnamigen Computerspiel, bei dem es darum geht, Abweichungen zu erkennen, die den Weg aus der Endlosschleife weisen.
Der Bestsellerautor und Regisseur Genki Kawamura hat ein Motiv hinzufügt, das dieses mechanische Computerspiel beseelt. So hat der »lost man« kurz zuvor mitbekommen, wie ein erboster Fahrgast eine junge Mutter beschimpfte, die ihr schreiendes Baby nicht beruhigen konnte. Dann informiert ihn seine Ex noch telefonisch über ihre Schwangerschaft – worauf er erst einmal einen Asthmaanfall bekommt. Vaterfreuden sehen anders aus. Das Umherirren in der Unterführung wird immer bedrohlicher – sind das die kreisenden Gedanken im Kopf des »lost man«? Wieder und wieder begegnet er einem älteren Mann (sein gealtertes Ich?), der diesen Loop offenbar seit Jahrzehnten wie ein Roboter durchläuft. Der kleine Junge, dem er im gekachelten Labyrinth begegnet (sein ungeborener Sohn?), weist schließlich den schmerzlichen Weg nach draußen.
»Exit 8« ist eine Allegorie auf die Angst eines jungen Manns vor der Vaterschaft, die ihn mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Der Endlichkeit weicht er aus, indem er in eine endlose Schleife flüchtet. Diese beklemmende Situation ist typisch für japanische Regisseure, die absurd erscheinende Ideen spielerisch aufgreifen, um sie konsequent auf die Spitze zu treiben. Das repetitive Szenario entspricht einer filmischen Umsetzung jener Ameisen auf dem Möbiusband von M. C. Escher, die als Plakatmotiv zitiert werden. Musikalisch eingerahmt wird das Spiel mit Differenz und Wiederholung von Maurice Ravels »Bolero«. Trotz kleinerer Durchhänger gelingt Kawamura eine stilsichere Versuchsanordnung. Die leeren Räume mit ihrer kühlen Ästhetik erinnern an die Apple-Serie Severance und natürlich an den aktuellen Kinoerfolgshit »Backrooms«.






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