arte-Mediathek: »Aurora«

© Beetz Brothers film production

In ungewöhnlicher Form erzählt der Dokuspielfilm von Aurora Mardiganian, die den Völkermord an den Armeniern überlebte und versuchte, über die Verbrechen aufzuklären

Den Völkermord, den das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs an der christlichen Minderheit der Armenier begeht, überlebt Aurora Mardiganian (1901–1994) als junges Mädchen nur knapp. Fast drei Jahre dauert ihre Tortur in der Konfliktregion: Ihre Familie wird ermordet, sie selbst wird mehrfach verkauft und immer wieder vergewaltigt, sie flieht ein ums andere Mal und gelangt schließlich mit Hilfe des American Committee for Relief in the Near East in die Vereinigten Staaten. Die Schrecken, die hinter ihr liegen, schildert sie in einem Buch (»Ravished Armenia«, 1918), das die Grundlage für den Film »Auction of Souls« (1919) liefert, in dem sie selbst die Hauptrolle übernimmt. Hilfsgelder sollen eingeworben, die Politik zum Handeln motiviert werden.

Die armenische Dokumentarfilmregisseurin und Produzentin Inna Sahakjan rekapituliert diese Geschichte in »Aurora – Star wider Willen« (2022) in hybrider Form. Sie verbindet Auszüge aus Interviews, die Mardiganian Mitte der 1980er Jahre den Archivaren des Zoryan Institute gegeben hat, mit Animationssequenzen, die ihre Erinnerungen in Bilder von verklärender Schönheit übersetzen. Dazu verknüpft sie – und macht dabei fatalerweise die jeweilige Quelle nicht immer kenntlich – historisches Material wie Fotos und Wochenschauaufnahmen mit Ausschnitten aus dem etwa 20-minütigen Fragment, das von »Auction of Souls« erhalten geblieben ist und sich insbesondere aus Szenen (sexueller) Gewalt gegen Frauen zusammensetzt. Dass die Regisseurin dem Ganzen noch eins draufsetzt, indem sie die Spielfilmszenen der Gräuel nicht nur mehrfach verwendet, sondern um weitere, animierte Gräuelszenen ergänzt, um solcherart der ganzen Bandbreite verübter Grausamkeiten »gerecht zu werden«, macht den Film schwer zu ertragen.

Geschuldet ist das Plakative, das sich auf Figurenebene zudem in einem strengen Gut-Böse-Schema spiegelt, freilich dem Schmerz über das ungesühnte Verbrechen; weigert sich doch die Türkei hartnäckig, den Genozid überhaupt nur anzuerkennen. Wie seinerzeit »Auction of Souls« ist auch »Aurora – Star wider Willen« Aufschrei und Anklage. Das sollte mitbedenken, wer ihn sieht.

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