Anatomie eines Prozesses
Das Jahrhundert hatte zwar noch ein Viertel vor sich, aber für viele Beobachter in Frankreich, zumindest für eine Fraktion von ihnen, stand fest, dass dies sein herausragender Prozess sei. Den Vergleich mit der Dreyfus-Affäre scheuten sie nicht. Tatsächlich gelang es dem Beschuldigten und seinem Verteidiger, den Antisemitismus auf die Anklagebank zu stellen.
Was ab November 1975 vor dem Schwurgericht in Amiens verhandelt wurde, können Sie morgen Abend (20.5.) auf arte in „Der Goldman-Prozess“ verfolgen. Nun, streng genommen handelt es sich um die Version, die Cédric Kahn und seine Drehbuchautorin Nathalie Hertzberg erzählen. Aber ich kann auch nach wiederholtem Sehen des Films keinen Grund erkennen, ihr zu misstrauen. Tatsächlich hält sich der Film bemerkenswert eng an den Wortlaut der Verhandlung und erfindet wenig hinzu, da diese dramatisch genug war. Selten war die Frage der Wahrheitsfindung in einem Gerichtsfilm so diffizil - sie endet im Zweifel-, aber nachrangig ist sie nicht. Kahn befindet sich in bester Gesellschaft: mit „Anatomie eines Mordes“ sowie „Anatomie eines Falls:“, mit dem sein Film sogar unmittelbar verwandt ist. Die Fragen, die Sie jetzt haben, beantworte ich in ein, zwei Tagen. Für heute erst einmal diese dringende Programmempfehlung.




Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns