Kritik zu Mein Leben, mein Ding

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In ihrem letzten Film, dessen Dreharbeiten sie noch vollenden konnte, erzählt Sophie Fillières eigenwillig und ein wenig wehmütig von einer Frau in einer Lebenskrise. In der Hauptrolle: Agnès Jaoui

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Erst komisch, dann irritierend ist schon die erste Szene: Da sitzt eine mittelalte Frau vor einem Computer, tippt ein paar Worte ein – tatsächlich sind sie der Titel des Films – und probiert verschiedene Schrifttypen aus. Geistreich und witzig kommentiert sie sie: Als sie eine sehr feine Schrift wählt, bezeichnet sie sie als anorektisch, eine, die sich jeden Morgen wiegt. Dann klingelt ihr Telefon, und eine penetrante weibliche Stimme quasselt los. Die Frau versucht, die Anruferin abzuwimmeln, erzählt, dass sie gerade im Fitnessstudio sei und sich beeilen müsse, nach Hause zum Duschen zu kommen – tatsächlich ist es umgekehrt. Bei der Betrachtung steigt ein Unbehagen, eine komplette Irritation auf. Manchmal auch Heiterkeit. Dieser Gefühlsmix herrscht vor, wenn man »Mein Leben, mein Ding« anschaut. Kurz vor ihrem Tod 2023 hatte die Französin Sophie Fillières die Dreharbeiten beendet, die Postproduktion übernahmen auf ihren Wunsch hin ihre Kinder Agathe und Adam Bonitzer. Es ist unmöglich, dieses ungewöhnliche, fantasievolle und irritierende Drama unabhängig davon zu betrachten.

Barberie Bichette (Agnès Jaoui) ist jene Frau mit dem seltsamen Verhalten, das sich noch steigern wird. Sie ist irgendetwas Mitte 50, von ihrem Mann geschieden, von ihren Kindern entfremdet. Sie selbst bezeichnet sich als Poetin und hat auch tatsächlich schon etwas veröffentlicht. Außerdem arbeitet sie als Texterin in einer Werbeagentur, wo sie ebenfalls einen irritierenden Auftritt hat. Das Leben von Barbie, wie sie sehr zu ihrem Leidwesen genannt wird, scheint aus der Bahn geraten zu sein. Ständig spricht sie mit sich selbst, betrachtet sich häufig dabei im Spiegel – vielleicht um sich zu erkennen oder selbst neu zu erfinden? Es kommt zu den absurdesten Momenten und Dialogen. Eines Tages trifft sie auf Bertrand (Laurent Capelluto), der behauptet, ein ehemaliger Schwarm von ihr zu sein, doch Barbie kann sich nicht erinnern. Wenig später hat sie einen Nervenzusammenbruch und bittet Bertrand, sie in eine Klinik zu bringen. Auch dort irritiert sie das komplette Personal mit ihren Eigenheiten.

Schon in Filmen wie »Gentille – Netter geht's nicht« (2005) und »La Belle et la Belle« (2017) setzte sich Fillières mit der Suche nach der eigenen Identität auseinander und damit, wie sich jeder Einzelne in der Welt verorten kann. Sie wählte immer die Form der Komödie, um die Absurditäten des Daseins zu beschreiben. Das trifft auch auf »Mein Leben, mein Ding« zu, in dem sie aber noch einen Schritt weitergeht. Es geht um die gnadenlose Selbstbetrachtung voll Selbstironie und einer gewissen Melancholie. Barbie erzählt sich selbst Geschichten, um sich in eine Erzählung einzuschreiben, erzählt Witze, die keiner versteht, ist verhuscht und verdruckst, verletzlich und unverletzbar zugleich. »Mein Leben, mein Ding« ist voller bizarrer Momente, die kaum zusammenpassen zu scheinen und gerade dadurch einen Sinn ergeben. Und doch fehlt diesem Film der letzte Schliff, der ihn zusammenhält, den Fillières ihm sicher verliehen hätte.

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