HBO/Sky: »Euphoria« Staffel 3

»Euphoria« (Staffel 3, 2026). © Home Box Office, Inc.

»Euphoria« (Staffel 3, 2026). © Home Box Office, Inc.

Zwischen Drogengeschäften, Webpornos und Sugardaddys versuchen die Figuren von Zendaya & Co nach der Schule, ihre Leben aus Sackgassen zu manövrieren. Staffel 3 der Hitserie

Bereits zur Ankündigung der dritten Staffel von »Euphoria« im Februar 2022 musste man sich fragen, was da eigentlich noch kommen soll, denn das melancholische Finale der zweiten Staffel hatte den perfekten Abschluss der Erzählung gebildet: Das Ende der Highschool markierte das Ende der Jugendzeit, die bei aller Finsternis immer auch von Romantik und Moralgefühl durchdrungen war.

Vier Jahre später ist nun nach einigen Produktionsverzögerungen die dritte Staffel da, und sagen wir so: Zumindest die Finsternis ist geblieben. Der Rest hat mit dem, was »Euphoria« einst so reizvoll machte, nicht mehr viel zu tun. Die verschiedenen Handlungsstränge bilden eine im Grunde vollkommen neue Serie, in die sich zufällig die altbekannten Figuren verirrt haben. Anstelle einer fiebrig stilisierten Reflexion über die Abgründe und die Ekstase der Jugend ist »Euphoria« nun näher an den Gangsterwelten von »Breaking Bad«, gewürzt mit ein paar Blaxploitation- und Western-Anklängen.

Im Mittelpunkt stehen – passend zur Popularität der Darstellerinnen – vor allem Rue (Zendaya) und Cassie (Sydney Sweeney). Während die vollkommen abgehalfterte Rue zunächst als Drogenkurierin und dann als Handlangerin eines brutalen Zuhälters arbeitet, macht Cassie nach dem Scheitern ihrer Ehe mit Nate (Jacob Elordi) als Webpornostar Karriere, bald gemanagt von ihrer einstigen Freundin Maddy (Alexa Demie), deren eigene Karriere in einer Sackgasse steckt. Auch Jules (Hunter Schafer) taucht irgendwann auf. Sie studiert Kunst und lässt sich mangels anderer Möglichkeiten von reichen Sugardaddys aushalten.

Man könnte diese Ballung an weiblichem Scheitern irgendwie »gesellschaftskritisch« deuten, wenn Serienmacher Sam Levinson die Erniedrigungen und Misshandlungen seiner Frauenfiguren nicht so genüsslich ausspielen würde – das erinnert eher an den misogynen Sadismus von Quentin Tarantino als an Bret Easton Ellis, dessen kühl-moralischer Blick auf amerikanische Wohlstandsverwahrlosung früher einen klaren Bezugspunkt bildete. Wo die Serie einmal bewusst provokativ und geradezu feministisch war, wirkt sie heute reißerisch und sexistisch. Selbst eine Ermächtigungsfantasie Cassies endet mit einer unangenehmen Zurschaustellung ihrer nackten Brüste. Romantik und Idealismus sind Geldgier und Opportunismus gewichen, und nach fünf Folgen fragt man sich, worauf das hinauslaufen soll – eine Moral scheint es in Levinsons Kosmos nicht mehr zu geben.

Aber: So fragwürdig die dritte Staffel in vielerlei Hinsicht ist – langweilig wird sie nie. Von der Besetzung der kleinsten Nebenrollen (Sharon Stone als Fernsehmacherin!) bis zur filmischen Umsetzung ist die Serie noch immer eindrucksvoll. Es gibt fein gesetzte Filmzitate von »American Gigolo« bis »Scarface«, und vor allem die Storyline um Rues Drogenverwicklungen ist von wendungsreicher Spannung. Am Ende bleiben das jedoch virtuose Oberflächenreize, die ihren Zweck erfüllen. Oder anders gesagt: Die ersten Staffeln von »Euphoria« waren ein herausforderndes kulturelles Phänomen; die dritte ist nur noch ein »guilty pleasure«.

OV-Trailer

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