Kritik zu Eagles of the Republic
Der dritte Teil der Kairo-Trilogie des ägyptischen Regisseurs Tarik Saleh erzählt, wie ein Filmstar in einem Propagandafilm mitwirkt und dadurch immer tiefer in die Fänge der Politik gerät.
George Fahmy gilt als »Pharao der Leinwand«. Besonders für »Der erste Ägypter im All« wird er vergöttert. Von der Militärdiktatur, die das Land unterjocht, bekommt der Megastar aus dem Land der Pyramiden kaum etwas mit. Nun gut, er muss sich mit Hijab tragenden Zensorinnen herumschlagen, denen bereits eine harmlose Kuss- szene zu gewagt ist. Aber das ist für George nur eine lästige Routine. Denn in sein ausschweifendes Privatleben mischen sich die Machthaber nicht ein. Entgegen islamischen Vorschriften kann George sogar getrennt von seiner Frau (Donia Massoud) leben.
Doch mit seiner Geliebten (Lyna Khoudri), die so alt ist wie sein Sohn, kann er nicht viel anfangen: George ist impotent. Diese unmissverständliche Metapher für die ägyptische Gesellschaft im Würgegriff der rigiden Religion formuliert der Film mit ausgelassener Komik. Als George beim Versuch, inkognito Viagra zu kaufen, erkannt wird, empfiehlt der freundliche Apotheker ein Mittel, das seine dysfunktionale Männlichkeit härtet »wie ein pharaonischer Obelisk«. »Eagles of the Republic«, der dritte Teil der Kairo-Trilogie des ägyptischen Regisseurs Tarik Saleh, beginnt als Komödie über das Filmbusiness. Der libanesische Darsteller Fares Fares verkörpert einen abgehobenen Starschauspieler, der unsanft auf dem Boden der Tatsachen ankommt. Als sich das Gerücht verbreitet, George sei ein Gegner des Staatspräsidenten, wandelt sich auch der Tonfall des Films.
Um die Wogen zu glätten, nimmt George die unliebsame Hauptrolle in einem Propagandafilm an. Er soll den gegenwärtigen Staatschef Abd al-Fattah as-Sisi – der sich 2013 an die Macht putschte – in ein positives Licht rücken. Da die Dreharbeiten streng überwacht werden, dringt er dabei immer tiefer in den Zirkel der Macht ein. Bis er unversehens in eine blutige Schießerei zwischen Putschisten – den titelgebenden »Adlern der Republik« – und den Machthabern gerät, die mit erbarmungsloser Präzision zurückschlagen.
Nach komödiantischem Beginn wandelt sich das Film-im-Film-Vexierspiel zu einem düsteren Politthriller im Stil von Costa-Gavras. Eine Schlüsselszene, in der der diabolische Geheimdienstchef Dr. Mansour (Amr Waked) die Aufständischen routiniert von der Ladefläche eines Hubschraubers in die Tiefe stürzt, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. »Eagles of the Republic« ist voller Anspielungen. Wer den arabischen Frühling nicht auf dem Schirm hat – und wer nicht weiß, dass der ägyptische Aggressor im »Oktoberkrieg 1973« von Israel besiegt wurde –, wird den Faden verlieren. Und die Mutmaßung, dass William Shakespeare in Wahrheit ein Araber war, der auf den Namen »Scheich Speare« hörte, mag eine skurrile Scherzfrage sein. Doch wenn ins Bild gerückt wird, wie in der arabischen Welt Frauen behandelt werden, vergeht einem das Lachen. Mit über zwei Stunden Spielzeit zeichnet Tarik Saleh ein zuweilen grotesk überzeichnetes, zugleich aber auch komplexes Sittenbild der ägyptischen Gesellschaft, in der Religion als Machtinstrument einer Militärdiktatur fungiert.




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