Kritik zu Missing*Link

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Der Urlaub einer Patchworkfamilie eskaliert, und die 13-jährige Tochter flüchtet sich in die Wildnis, wo sie einen geheimnisvollen Jungen trifft.

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Eine Sache gibt es, auf die Mia kurz vor ihrem 14. Geburtstag am allerwenigsten Lust hat. Es sind diese nervigen Ferien mit ihrer überpräsenten Mutter Tine und deren neuem, ach so verständnisvollem Partner Achim. Auch ihr leiblicher Vater Falk, ein selbstverliebter Reiseschriftsteller, der mit seiner neuen Geliebten erscheint, macht die Sache nicht besser. Dabei ist die eingewachsene Ferienhaussiedlung am See eigentlich traumhaft schön. In diesem Idyll, das schon etwas Patina angesetzt hat, könnte man die Seele baumeln lassen.

Von wegen! Statt ihre Freizeit zu genießen, machen die verkrampften Urlauber sich mit spitzen Bemerkungen und Ressentiments gegenseitig das Leben schwer. Ein Motor dieser ungelösten Konflikte ist Tine, die sich nach einem traumatischen Verlust an ihre Tochter klammert. Susanne Wolf verleiht dieser patenten Frau, die nicht gerade auf den Mund gefallen ist, Kontur. Wenn Tine jedoch jenen unvermeidlichen Eklat provoziert und betrunken allen anderen die Wahrheit ins Gesicht sagt – und dabei fast noch die Siedlung abfackelt –, vermögen diese überzogenen Eruptionen nicht zu überzeugen.

Dankenswerterweise erschließt der Film noch eine ganz andere Dimension. Denn Mia, die seit ihrer Geburt an einem Herzfehler leidet, zieht sich aus den lärmenden Wortgefechten ihrer Patchworkfamilie genervt zurück. Am Strand begegnet ihr ein vagabundierender barfüßiger Junge, mit dem zusammen sie im Wald eine völlig neue Welt entdeckt. Sie wälzen sich im Schlamm, haben Spaß. Und alles ganz ohne Worte. Wer ist dieser geheimnisvolle Naturbursche?

Mit dieser lange in der Schwebe gehaltenen Frage bauen Michael Baumann (»Willkommen bei Habib«) und seine Co-Autorin Sabine Westermaier geschickt Spannung auf. Der Film lebt von stimmungsvollen Bildern – in Erinnerung bleibt vor allem die Debütantin Luca Brüggemann, die der jungen Mia Leben einhaucht. Da das Kernmotiv dieser poetischen Mystery-Geschichte am Ende psychologisch ausgedeutet  und das ominöse Missing Link überdeutlich benannt wird, verpufft leider ein Großteil der sorgsam aufgebauten, geheimnisvollen Atmosphäre.

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