Wieder im Kino: »Wanda« (1970)
»Wanda« (1970). © Grandfilm
Ab 9.4. in ausgewählten Kinos: Barbara Lodens einziger Spielfilm ist ein Juwel des 70er-Jahre-Kinos
»Wenn er die Scheidung will, geben Sie sie ihm. Die Kinder sind besser dran mit ihm«, sagt Wanda teilnahmslos zum Richter. Die junge Frau aus dem Kohlenrevier Pennsylvanias gibt ihre Familie, ihren Job und auch sich selbst auf, mit ungewissem Ziel. Barbara Loden hat sich mit schmerzhafter Direktheit in dieser Rolle inszeniert: als Frau, für deren Zustand selbst »Depression« ein zu starkes Wort zu sein scheint. Eine Frau unter Einfluss, die sich mit Männern einlässt, die sie nur ausnutzen, und die sich schließlich sogar zu einem schlecht geplanten Bankraub drängen lässt. Lodens Film, 1970 mit kleinstmöglichem Team und geringem Budget auf 16 mm gedreht, driftet durch heruntergekommene Bars und Motels, über staubige Straßen und Industriebrachen. Es ist der einzige Spielfilm, den die Schauspielerin und Theaterregisseurin realisieren konnte, in seiner rauen Machart ein singulärer Beitrag zum Kino des New Hollywood. Seinerzeit ein Kritiker-, aber kein Kassenerfolg, gilt »Wanda« in seiner schonungslosen Alltagsbeobachtung heute als »Meilenstein des feministischen Kinos« – auch wenn Wanda zur feministischen Heldin kaum taugt – und als einer der wichtigsten Filme der siebziger Jahre. Ein Trauerspiel, dass Loden einen weiteren nicht drehen konnte; 1980 starb sie mit 48 Jahren an Krebs. In ihrem Nachlass entdeckte ihr Ehemann Elia Kazan jede Menge Drehbücher.




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