Sky: »The Comeback« Staffel 3
»The Comeback« (Staffel 3, 2026). © Home Box Office, Inc.
Valerie Cherish ist zurück – und Hollywood am Abgrund. Nach zwölf Jahren Pause nimmt die finale Staffel der Sitcom nun die KI-Ära ins Visier. Smarter, schärfer und komischer denn je
Am Streikposten hält Valerie Cherish das Schild etwas zu hoch, lächelt etwas zu fest und achtet vor allem darauf, wie sie im Handy ihrer Social-Media-Assistentin aussieht. Vor ihr spricht Fran Drescher, Ex-»Nanny«-Star und Schauspielgewerkschaftspräsidentin, über die existenzielle Bedrohung durch KI, während sie posiert und selbst im politischen Ernstfall noch ihre Marke kuratiert. Mit dieser Szene ist »The Comeback« sofort wieder da: peinlich, hellsichtig sezierend und bösartig komisch.
Lisa Kudrow hat diese Serie 2005 zusammen mit Michael Patrick King erfunden, kurz nach »Friends«, der Sitcom, die sie als Phoebe Buffay weltberühmt machte. Die erste Staffel sezierte den frühen Reality-TV-Boom. Die zweite, 2014 nachgereicht, zielte dann messerscharf auf Prestigefernsehen, Selbstverwertung und die Grausamkeit eines Betriebs, der Demütigung gern für Wahrhaftigkeit hält. Dass Valerie nun wiederkehrt, wirkt deshalb weniger wie Nostalgie als wie die logische nächste Eskalationsstufe, der Figur und der Branche gleichermaßen.
2026 bekommt Valerie endlich noch einmal das, wonach sie seit zwei Dekaden jagt: die Hauptrolle in einer klassischen Multi-Cam-Sitcom. Der Haken ist monströs. »How's That?!« wird von einer KI geschrieben, beaufsichtigt von zwei menschlichen Showrunnern, gespielt von Abbi Jacobson und John Early, die nur noch die erschöpften Gesichter eines aussterbenden Berufs abgeben. Andrew Scott hat als aalglatter Network-Chef einen beinahe gelangweilten Zynismus, der jede Managementfloskel in eine Drohung verwandelt. Überhaupt setzt Season 3 ihre Gaststars klug ein. Fran Drescher markiert schon früh die politische Dringlichkeit des Themas. Später tauchen unter anderem Jane Fonda, Bradley Whitford, Adam Scott, Justin Theroux, Trixie Mattel und Benito Skinner auf. Diese Auftritte erweitern den Radius der Serie, vom Studiobetrieb zur Branche, vom peinlichen Einzelfall Valerie zum allgemeinen Ausnahmezustand Hollywoods.
KI wird dabei weder als billiger Gag noch als abstraktes Debattenthema behandelt. Die Serie zeigt sehr konkret, was verschwindet, wenn Text nur noch als verwertbarer Rohstoff gilt. »The Comeback« verteidigt das Schreiben als soziale Praxis, als kreativen Konflikt, als zähe Handarbeit. Scheitern und Nervenzusammenbrüche inbegriffen. Kudrow spielt Valerie noch immer als nervös flackernde Egomaschine, findet diesmal aber eine neue Ruhe in der Selbsttäuschung dieser Frau. Aus der Karikatur ist eine tragikomische Überlebenskünstlerin geworden. Der Schmerz über den Verlust ihres Freundes und Stylisten Mickey (Darsteller Robert Michael Morris verstarb 2017) schwingt spürbar mit, ohne je sentimental ausgestellt zu werden.
Die finale Staffel lässt sich so als Abgesang auf eine Industrie lesen, die sich gerade womöglich selbst abschafft, und zugleich als trotziger Liebesbeweis. Bitter, sehr lustig, präzise beobachtet und erstaunlich zärtlich. Valerie Cherish war immer zu viel. Gut, dass sie wieder da ist.
OV-Trailer




Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns