DVD-Tipp: »This is Spinal Tap« 1 & 2

»This is Spinal Tap«. © Plaion

© Plaion

Rob Reiners Kult-Mockumentary um die Rockband »Spinal Tap« erscheint erstmals restauriert auf 4K UHD – und geht in die zweite Runde.

Genau 7,9 von 11 Sternen (statt 10) gibt die Bewertungsskala der IMDb für »This is Spinal Tap« an, in Anspielung auf einen besonderen Lautstärkeregler und einen der denkwürdigsten Momente des Films. Der im Dezember 2025 unter schrecklichen Umständen gestorbene Rob Reiner – sein eigener Sohn steht für den Mord an ihm unter Anklage – schuf 1984 mit seinen Darstellern Christopher Guest (Nigel Tufnel, Gitarre), Michael McKean (David St. Hubbins, Gesang und Gitarre) und Harry Shearer (Derek Smalls, Bass) ein popkulturelles Phänomen: Ursprünglich für ein TV-Special erfunden, erwachte die Heavy-Metal-Band »Spinal Tap« zu filmisch-musikalischem Eigenleben, das nach dem Kinofilm diverse Alben, Singles, Livekonzerte, Musik- und Konzertvideos sowie Talkshowauftritte hervorbrachte. Den legendären ersten Film hat Plaion jetzt in 4K-UHD-Qualität veröffentlicht, als deutsche Erstveröffentlichung ist zudem das späte Sequel von 2025 erschienen, Reiners letzter Film: Spinal Tap 2 – The End Continues.

Auch heute noch kann »This Is Spinal Tap«, ein Pionier des Mockumentary, begeistern. Als deftige, aber liebevolle Satire auf das Musikbusiness und die großen Rock- und Metalbands der 70er/80er trifft es viele Nägel auf den Kopf und ist nie um eine intelligente bis alberne Pointe verlegen. Wie bei manch anderen Bands liegen auch bei den Jungs von »Spinal Tap« erhabene Vision und tumbe Realität miteinander im Clinch, doch immer wieder finden sie zu tiefen Einsichten: »It’s such a fine line between stupid and clever« (Nigel Tufnel). Aus heutiger Sicht ist kaum auseinanderzuhalten, welche der »Rockumentary«-Klischees der Film parodiert und welche er geprägt hat.

Der erste Film gibt vor, die schon nicht mehr ganz so erfolgreiche Band auf einer krisengeplagten Tournee zu begleiten. Die Fortsetzung erzählt mit dem gleichen »beobachtenden« Ansatz und wieder mit Rob Reiner als Dokufilmemacher Marty DiBergi von der triumphalen Reunion für ein Konzert, zu dem die lange schon verfeindeten Bandmitglieder aufgrund eines alten Vertrags verpflichtet sind. Dabei reflektiert er nur am Rande die Veränderungen im Musikbusiness. Als ernste, durchaus emotionale Basslinie zieht sich durch beide Filme die konfliktreiche Verbindung zwischen Tufnel und St. Hubbins, die von Kindesbeinen an befreundet sind, sich aber kaum ausstehen können.

So geht auch bei der Reunion vieles schief, und leider kommt der Film wie seine inzwischen im Seniorenalter befindlichen Rocker etwas schwer in die Gänge. Doch mit der Suche nach einem neuen Drummer findet er zu starker Form. Man erinnere sich: Alle früheren Schlagzeuger der Band starben unnatürliche Tode, vom bizarren Unfall beim Gärtnern bis zum Ersticken an (fremdem!) Erbrochenem. Glücklicherweise greifen prominente Unterstützer wie Paul McCartney und Elton John den oft ratlosen Taps unter die Arme, und so kann das glamouröse Ende von »The End Continues« auf charmante Weise die Stonehenge-Panne des ersten Films aufgreifen.

Obwohl es viel zu den Filmen zu berichten gäbe, bietet lediglich die Fortsetzung zwei schmale Featurettes. Für einen geradezu frappierenden Rockbusiness- Realitätscheck sei noch Sacha Gervasis so witziges wie liebevolles und dabei authentisches Rockumentary über die Metalband »Anvil« empfohlen. Deren Drummer heißt übrigens – kein Witz: Robb Reiner.



 

 

This is Spinal Tap USA 1984 / Spinal Tap 2 – The End Continues USA 2025 R: Rob Reiner. Da: Christopher Guest, Michael McKean, Harry Shearer, Rob Reiner. Anbieter: Plaion.

Bestellmöglichkeit (DVD)

 

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