Kritik zu Maysoon

© Grandfilm

2025
Original-Titel: 
Maysoon
Filmstart in Deutschland: 
19.03.2026
L: 
125 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Eindringliches und mutiges Drama um eine Frau, die mehrere existenzielle Krisen gleichzeitig bewältigen muss.

Bewertung: 4
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Manche Dinge geschehen parallel. So recht haben sie nichts miteinander zu tun und doch bedingen oder verstärken sie sich. Da gerät ein vermeintlich stabiles Leben aus den Fugen, der jeweilige Mensch muss sich neu positionieren und hat keinen Halt mehr. Die griechischdeutsche Regisseurin Nancy Biniadaki hat ein eindringliches Drama über eine Frau gedreht, die gleich mit mehreren privaten Krisen konfrontiert ist und daraufhin einen existenziellen Kampf führen muss – als Frau, als Mutter, als Freundin und als Ägypterin in Deutschland.

Es beginnt ganz idyllisch friedlich: Da tobt eine Familie am Badesee, isst Pommes und Eiscreme, ärgert sich über eine mürrische Frau. Die Einstellungen sind nah, die Familie wirkt wild und ausgelassen. Auf einer Bank sitzend, hält das Paar ein wenig verstohlen und doch sehr vertraut Händchen. Doch schon am Abend kommen Störgefühle auf: Tobi (Florian Stetter) musste noch mal arbeiten und kommt müde nach Hause, strahlt Unbehagen aus. Maysoon (Sabrina Amali) bohrt nach und er gesteht ihr eine Affäre mit seiner Chefin. »Wir wollten uns so was doch nicht sagen«, entfährt es Maysoon. Doch da ist mehr.

Parallel läuft Maysoons Pass aus, nachdem die Ägyptologin seit zehn Jahren ruhig und solide in Berlin gelebt hat. Und dann verliert sie ihren Job als Museumsführerin, weil sie den verdeckten Rassismus und den mangelnden Respekt nicht mehr aushält. Maysoon rastet aus – und das nicht nur einmal. Auch die beiden Kinder überfordern sie, das Geld droht auszugehen, eine Abschiebung wird möglich und die Enttäuschung über Tobi ist riesig. »Ich hatte ein Leben, jetzt bin ich ein Fall«, sagt sie irgendwann resigniert auf dem Amt.

Ganz sanft, aber mit kraftvollen Momenten, entblättert Biniadaki Maysoons Leben, ohne etwas zu beschönigen. Irgendwann zu Beginn schreit Maysoon Tobi an: »Du bist mir meinen Bruder schuldig.« Da lässt sich nur erahnen, was sie aus Ägypten hat fliehen lassen, wie hart sie um ein normales Leben gekämpft hat. Plötzlich tauchen verdrängte Erinnerungen auf. Sabrina Amali legt alles in diese Figur, macht die Verzweiflung, die schleichende Verunsicherung schmerzhaft erfahrbar – mit allen Höhen und Tiefen. Da brüllt sie auch mal ihre Kinder an, betrinkt sich maßlos, ist ungerecht zu ihren Freunden. Etwas irritierend ist ihr Verhältnis zu Tobi, der sich schnell auf eine Beziehung mit seiner Affäre einlässt. Er hält Maysoon irgendwann nicht mehr für zurechnungsfähig und setzt sogar das Jugendamt auf sie an. Dann jedoch gibt es wieder ganz zärtliche Momente zwischen den beiden. Aber das ist wohl nicht ungewöhnlich nach einer langen Beziehung, die irgendwann scheitert und damit für Verunsicherung und Ungewissheit sorgt.

»Maysoon« ist zutiefst menschlich und zeigt auch, wie politische Gegebenheiten das Private beeinflussen und sogar zerstören können. Das macht ihn zu einem mutigen Film, der mit seiner Zartheit und Radikalität lange nachhallt.

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