Die Bären sind los – epd film Newsletter 12.02.2026

Die Bären sind los

Diese Woche steht ganz im Zeichen der an diesem Donnerstag beginnenden Berlinale. Wie gewohnt bieten wir auf unsere Website aktuelle Berichte. Den Auftakt machen Sabine Horst mit einer Vorschau auf den Wettbewerb, Marion Löhndorf mit einem Blick auf die Retrospektive und Maxi Braun mit einem Porträt zu Michelle Yeoh, die den Goldenen Ehrenbären erhält.

Einer der Wettbewerbsfilme (»Josephine«) findet sich übrigens auch bei den Sundance-Highlights von Patrick Heidmann. In der Arte-Mediathek laufen unterdessen Filme, die in den vergangenen Jahren auf der Berlinale zu sehen waren. Mit dabei in der Reihe »Die Bären sind los« ist »Disco Boy« mit Franz Rogowski, der damit zum ersten Mal einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird. Ipke Cornils hat den Film hierfür nochmal unter die Lupe genommen.

Und wer gar nichts mit der Berlinale zu tun haben möchte: Im Kino startet diese Woche Emerald Fennells heiß erwartete Romanadaption »Wuthering Heights – Sturmhöhe«. Anke Sterneborg ist der Meinung, dass das definitiv ein Ereignis ist. Alternativ gibt es mit »Fassaden« einen fordernden wie wichtigen Dokumentarfilm und »Prinzessin Mononoke« (1997) von Hayao Miyazaki läuft als Wiederaufführung

von: 
Die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh erhält auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären.
Sabine Horst

Wie jetzt – keine schlechten Nachrichten, keine Krise, keine aus dem Ruder laufende Politdebatte im Vorfeld? Tricia Tuttle, Berlinale-Intendantin seit April 2024, hat Ruhe ins Spiel gebracht. Sie setze auf »Evolution«, nicht Revolution, sagte sie kürzlich dem »Tagesspiegel«. Am Donnerstag steuert sie den »Ozeandampfer«, wie sie das weltgrößte Publikumsfestival nennt, zum zweiten Mal aufs offene Meer.

Marion Löhndorf

In 24 Filmen will die diesjährige Berlinale-Retrospektive eintauchen in die neunziger Jahre. Ein noch gar nicht so lange zurückliegendes Jahrzehnt, das aber, genau besehen, von der Gegenwart schon Welten zu trennen scheint. So fern und doch so nah: Es war die letzte Dekade, bevor das Internet unser Leben bestimmte und die Welt sich digitalisierte; die Jahre, in denen der Mauerfall verarbeitet werden musste und der Zusammenbruch der Sowjetunion eine neue Weltordnung schuf.

Sundance Festival 2026: Zwischen Wehmut und Aufbruch

Sundance 2026 setzt trotz Krise des Independent-Kinos eindrucksvolle Akzente: starke Coming-of-Age- und Queer-Filme, leichtere Genrearbeiten und formal kühne Dokus zeigen die Vielfalt einer suchenden Branche.
Filme der Woche: 

"Wuthering Heights" – Sturmhöhe

»Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten« als schillernd düstere Märchenfantasie: Zusammen mit Margot Robbie und Jacob Elordi dockt Emerald Fennell in ihrer Version von Emily Brontës viktorianischem Klassiker mit überwältigenden Schauwerten an den jugendlichen Überschwang der Gefühle an.

Fassaden

Aus der Kombination von Erfahrungsbericht und Experteninterviews entsteht ein ungeheuer eindrücklicher, informativer und damit wichtiger Film zum Thema häusliche Gewalt. In der Form sachlich und zurückhaltend, im Inhalt einschlägig und bewegend.

Der letzte Walsänger

Um die Tradition seines verstorbenen Vaters fortzusetzen, bricht ein junger Buckelwal zu einer gefährlichen Reise auf. Ambitionierter europäischer Animationsfilm, der das Motiv der Heldenreise sowohl mit ökologischen als auch mythologischen Untertönen versieht.

Once Upon A Time In Gaza

Lakonisches Epos und wilder Genremix der Nasser-Zwillinge, der die Vergangenheit in Gaza geschickt mit der Gegenwart verwebt – mit filmischen Reflexionen und schwarzem Humor.

Wieder im Kino: »Prinzessin Mononoke«

Ab 12. Februar zurück auf der großen Leinwand: Hayao Miyazakis Klassiker, restauriert, in 4K und im Original mit Untertiteln.

arte Mediathek: »Disco Boy«

Auf den Spuren von »Beau Travail« und »Apocalypse Now« erzählt Giacomo Abbruzzeses Spielfilmdebüt von einem Weißrussen, der als Fremdenlegionär in den Konflikt im Nigerdelta gerät.