Kino im Netz

In den November verschoben: »James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben« (2020). © Universal Pictures

In den November verschoben: »James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben« (2020)

Was die Corona-Krise für die Filmbranche bedeutet

Mit den Filmen, die in nächster Zeit in den Kinos starten sollten, fing es an. Daniel Craigs letzter geplanter Leinwandauftritt im April als Agent 007 in »Keine Zeit zu sterben« war einer der ersten von vielen weiteren verschobenen Kinostarts diesen Jahres; er soll jetzt im Herbst anlaufen. Das konnte man zu Beginn noch mit dem Schielen auf den geschlossenen chinesischen Markt deuten, doch dann mussten sich auch Disney-Fans, die mit Spannung auf die Neuverfilmung des Zeichentrickklassikers »Mulan« warteten, gedulden. Und dann ging es Schlag auf Schlag – die beiden bei der Berlinale aufgeführten Filme »Undine« und »Berlin Alexanderplatz« wurden ebenfalls verschoben. Und als vor zwei Wochen die ersten Kinos schließen mussten, war klar: das Corona-Virus hat auch die Filmszene im Würgegriff. 

Davon sind natürlich erst recht die Filmfestivals betroffen – das Frühjahr ist Festivalzeit. Sie müssen ihre Veranstaltungen neu aufstellen oder im schlimmsten Fall absagen. Beispielsweise fallen beliebte Festivals wie »Crossing Europe« in Linz oder auch das »Filmkunstfest« in Mecklenburg-Vorpommern dieses Jahr komplett aus. Viele Veranstalter versuchen weiterhin, Ausweichtermine zu finden. Das betrifft selbst Cannes, das wichtigste Filmfestival der Welt, das immer Mitte Mai stattfindet: Es ist abgesagt, aber das Festival-Team denkt darüber nach, es auf den Frühsommer zu verlegen. 

Eine Alternative zur Verschiebung oder Absage sehen einige Festivals in der Form einer digitalen Ausgabe. Die Festivalteilnehmerinnen und -teilnehmer streamen von zu Hause. So sollen Teile des Programms des »Internationalen Trickfilm Festival« Stuttgarts oder des »DOK.fest« in München nun online aufgeführt werden. »Wir wollen mit dem Onlinefestival ein Zeichen setzen, dass die Kultur ein wichtiger Aspekt unseres gesellschaftlichen Austauschs und Zusammenhalts ist und unbedingt weiter stattfinden muss, wenn aktuell auch in anderer Form.«, so der Leiter des »DOK.fests«, Daniel Sponsel.

Natürlich profitieren in diesen Tagen Streaming-Dienste wie »Netflix« und »Amazon Prime« von der Kinokrise und können einen besonderen großen Andrang und Zuwachs verzeichnen. Am 24. März ging nun Disney mit seinem hauseigenen Video-on-Demand-Dienst »Disney+« in vielen europäischen Ländern an den Start und steigt somit als neuer Anbieter in den Streaming-Markt ein; das war allerdings seit langem geplant. Auch das Produktionsstudio Universal will seine Neuerscheinungen im digitalen Verleih anbieten. Das hat Auswirkungen auf das Netz: Um eine Überlastung zu vermeiden, senkt zum Beispiel Netflix nun die Datenübertragungsrate.

Die Frage, die sich vielen Kinobesitzern stellt, ist, ob das Publikum nach dem Lockdown wie zuvor den Weg in die Filmtheater finden wird. Schwer zu kämpfen haben besonders die kleinen, unabhängigen Kinos, für die eine mehrwöchige Schließung das Aus bedeuten könnte. Für sie hat sich der Verleih »Grandfilm« eine Alternative ausgedacht: Er bietet seine Filme, etwa »Zama«, im Netz an – und die Hälfte des Erlöses geht an die gebeutelten Independent-Kinos, die die Filme des Verleihs zum Start spielen. Zu denen gehören etwa das FSK in Berlin, das Karlstor Kino in Heidelberg oder das Cinema Quadrat in Mannheim. Auch der Verleih »eksystent distribution« will auf den für April geplanten Start seines Films »Isadoras Kinder«, der immerhin das Festival von Locarno gewonnen hat, nicht verzichten und bietet ihn auf der Seite kino-on-demand.com an. Zum Preis eines Kino-Tickets. Denn auch hier profitieren die Kinos mit, die diesen Film gespielt hätten: Man leiht ihn quasi über sie aus.

Die neueste Initiative im Kinobereich ist ein Zusammenschluss von Programmkinos in Berlin, wo es eine besonders vielfältige Szene gibt, zu einer Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal »startnext«. Die über die Kampagne erzielten Einnahmen sollen an die teilnehmenden Programmkinos verteilt werden, die ja trotz des Kino-Shutdowns weiterhin Fixkosten wie die Miete bezahlen müssen. 

Da ist natürlich auch die Politik gefragt. Die Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO hat in einem Schreiben an die Filmförderungsanstalt (FFA) auf Sofortmaßnahmen gedrängt, um wirtschaftliche Schäden so weit wie möglich einzudämmen. Denn die globale Verbreitung des Coronavirus sorgt auch für Stopps von Dreharbeiten und Produktionen, weshalb die SPIO nun nach Garantien für Liquidität, Absicherung von Ausfallrisiken und die Flexibilisierung von Förderung verlangt. Die FFA hat gemeinsam in Kooperation mit Förderern auf Bundes- und Länderebene ein Maßnahmepaket für die deutsche Film- und Kinowirtschaft aufgelegt. Die Bundesregierung stellte einen Hilfsfonds zusammen, speziell für Solo- und Kleinstunternehmen. Ob das alle Betroffenen der Krise retten, weiß man noch nicht.

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