Bozen: Weltläufiges Denken

Die 33. Ausgabe des Bolzano Film Festival Bozen
© Manuela Tessaro

© Manuela Tessaro

Was 1987 im kleinen Rahmen als »Bozner Filmtage« begann, hat sich mit den Jahren zum ambitionierten »Bolzano Film Festival Bozen« entwickelt. Zwar gehört es noch immer zu den »kleinen« Festivals, was etwa die Anzahl der Filme anbelangt, aber das Konzept zeichnet sich durch eine seltene Großzügigkeit des weltläufigen Denkens aus. Zwei Wettbewerbe bilden das Zentrum des Programms, einer dem Spiel-, der andere dem Dokumentarfilm gewidmet, die deutsch- und italienisch-sprachiges Autorenkino aus den umliegenden Ländern Österreich, Schweiz Italien und Deutschland zusammenbringen. Ergänzt wird das Filmprogramm durch einen Focus Europa, in dem ein weiteres europäisches Land vorgestellt wird. In diesem Jahr war das Ungarn, das mit Filmen wie »1945« von Ferenc Török und dem Berlinale-Gewinner von 2017, Ildikó Enyedis »Körper und Seele« seine aktuelle Hochphase belegen konnte.

Mit einer Hommage an den deutschen Schauspieler Josef Bierbichler und der Italienerin Barbora Bobul'ova als Ehrengast wurde eine weitere Bozner Tradition gepflegt, die, wie Festivalmitbegründer Martin Kaufmann immer wieder gerne erzählt, 1982 mit einer Filmschau zum 90. Geburtstag von Luis Trenker begann. Besonderes Andenken galt in diesem Jahr einem anderen bekannten Südtiroler Filmschaffenden, dem vor fünf Jahren verstorbenen Produzenten Karl Baumgartner, seines Zeichens Mitbegründer von Pandora Film.

Begriffe wie Heimat und Geographie will man in Bozen nicht als Abgrenzungsmetaphern sondern als Möglichkeiten der Verknüpfung begreifen. Mit Roberto Rossellinis »L’amore« und Vittorio De Sicas »Umberto D.« zeigte man Schätze aus der Kinemathek in Bologna, und mit »Kurzes über'n Brenner« präsentierte zum zweiten Mal Michael Orth, Leiter des Kurzfilmfestivals Landshut, eine Auswahl aus seinem Festivalprogramm.

Gleich zwei der insgesamt sechs Preise, sowohl der für den besten Dokumentarfilm als auch der Publikumspreis, gingen in diesem Jahr an den italienischen Dokumentarfilm »Becoming Me«, in dem die Regisseurin Martine De Biasi über zehn Jahre hinweg die Transition der als Frau geborenen Marion zum Mann Marian begleitet. Die Schüler-Jury, die sich aus Jugendlichen von beiden Seiten der Grenze zusammensetzt, entschied sich für den italienischen Film »Un giorno all'improvviso« von Ciro D'Emilio, der im Fußballjugend-Milieu Neapels von einer ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung erzählt. Die Spielfilm-Jury zeichnete »Das schönste Paar« von Sven Taddicken aus, der sensibel und ungewöhnlich zugleich die Nachwirken einer Vergewaltigung beschreibt.

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