Kritik zu Young Adult

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Nach Juno entwerfen Jason Reitman und Diablo Cody mit einer egozentrischen Mittdreißigerin, die geistig nie der Highschool entwachsen ist, erneut einen weiblichen Ausnahmecharakter

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Die 37-jährige Mavis steckt in der Sackgasse; sie trinkt, ist geschieden, und die »Young Adult«-Jugendbuchserie, für die sie schreibt, soll eingestellt werden. Wer nun von Jason Reitmans schwarzer Komödie ein launiges Märchen über eine niedliche, unter Prokrastinationszwang leidende Schreiberin à la Carrie Bradshaw erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Als Mavis eine E-Mail ihrer Jugendliebe Buddy mit einem Foto eines neugeborenen Babys bekommt, erkennt sie schlagartig einen Ausweg aus ihren Problemen. Sie will ihr Highschool-Sweatheart zurückerobern! In Hochstimmung fährt sie zurück in ihre langweilige Heimatstadt in Minnesota, wo sie einst das begehrteste Mädchen der Schule war. Dort trifft sie in einer Bar als erstes zufällig einen jener Unterlinge, den sie auf der Highschool keines Blickes gewürdigt hat, den verkrüppelten Matt. Er will sie davon abhalten, Buddys Ehe zu zerstören und sich zum Narren zu machen.

Drehbuchautorin Diablo Cody, mit Juno bekannt geworden, gebührt erneut Applaus für dieses Porträt einer Borderline-Narzisstin. Mavis ist die weibliche Hardcore-Variante jener Kindmänner, die filmisch zumeist wohlgefällig dargestellt werden: ein Charakter, wie ihn sich nur eine Geschlechtsgenossin ausdenken kann. Sie ist eine unausstehliche Zicke, mental gefangen in der vermeintlichen Grandeur ihrer Highschooljahre, egozentrisch und taub gegenüber den Befindlichkeiten ihrer Mitmenschen. Mavis’ Blasiertheit und ihre vergifteten Komplimente lassen einen innerlich zusammenzucken. Mit dieser mehr beklemmenden als komischen bitch setzt Charlize Theron ihrem bisherigen Repertoire schwieriger Weibsbilder die Krone auf. Mal verkatert und verschlurft, mal divenhaft overdressed im kleinstädtischen Jeans-und-Holzfällerhemden- Ambiente, spitzt sie die Kompliziertheit weiblicher Existenz zur Kenntlichkeit zu. Und wenn Mavis ihre ganze Intelligenz darauf verwendet, die Fassade eines Erfolgsmenschen zu wahren, demonstriert sie die hohe Kunst der Projektion und der Verblendung. Das wird sehr hübsch in ihren unterwegs am Laptop verfassten Geschichten ihres Teenager-Alter-Egos deutlich, die sie nach ihren wahren Erlebnissen modifiziert.

Dennoch erscheint diese packende Figur auch eindimensional, weil ein Gegengewicht fehlt: die Mitmenschen, ausgenommen Patton Oswalt als Matt, sind allzu nett und konturenlos. Dass die Kleinstädter »dick und blöd« seien, wie Mavis von einer Bewundererin gesagt bekommt, bleibt verbale Behauptung. Da war doch aber was? Nicht nur die Ambivalenzen in der Mutter- Tochter Beziehung lassen aufhorchen, sondern auch die Grausamkeiten, die Matt einst angetan wurden. Es gab durchaus Gründe, in die Großstadt zu fliehen – selbst wenn es, auch dies ein hinterhältiger Witz, sich nicht um New York, sondern um »Mini-Apple«, Minneapolis, handelt. Trotzdem ist dem Team Reitman/Cody abermals ein originelles Frauenporträt gelungen.

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