Kritik zu Was Männer sonst nicht zeigen

© Temperclayfilm

Joonas Berghäll und Mika Hotakainen porträtieren in ihrem Dokumentarfilm die Saunakultur ihrer Heimat Finnland und bringen dabei Männer zum Sprechen

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

»Nackte Männer, nackte Wahrheiten«. Mit diesem treffenden Slogan wirbt ein Film für sich, der eine ohnehin schweigsame Spezies, den finnischen Mann, zum Reden bringt. Und das ebenso schonungs- wie kleidungslos im Lieblingsort der Finnen, der Sauna. Man muss sich ein wenig auskennen mit finnischer Lebensart, um würdigen zu können, was Joonas Berghäll und Mika Hotakainen hier gelungen ist.

Denn dass Männer über Liebe reden, über ihre gescheiterten Beziehungen und die Sehnsucht nach ihren Kindern, ist in Finnland gänzlich unüblich. Einerseits zeigt der Film ein schon fast klischeehaftes Bild einer Nation, in der Melancholie als Dessert zu jedem Festmahl gehört und selbst die Kinderlieder in Moll geschrieben sind. Wo Klagen fast schon etwas Kunstvolles ist, jenseits aller Larmoyanz, dort spricht man eben nicht über Glücksmomente. Der Verlust, das graue Einerlei des Alltags und die enge, sich niemals weitende Perspektive bestimmen die Monologe der nackten Männer und so endet der Film fast folgerichtig mit der größten emotionalen Katastrophe, die einem Vater passieren kann, dem Tod des eigenen Kindes. Am Anfang steht noch das emotionale Gegenteil: ein rührendes, offenes Bild von Zweisamkeit. Ein altes Paar sitzt da allein in der Sauna, sie hat ihren Kopf in seinen Schoß gebettet und er schlägt massierend mit einer Laubrute auf ihre Beine. Dann wäscht er ihr den Rücken und sagt: »Ich wasche diesen Rücken schon seit über 50 Jahren. Ich mag diesen Rücken.«

Im Rest des Films wird es keine Frau mehr geben, und eine nackte schon gar nicht, denn in Finnland ist die Saunakultur, entgegen dem Ruf von skandinavischer Freizügigkeit, streng geschlechtergetrennt. Jenseits dieser Tradition sind der Gestaltung der Schwitzräume aber keine Grenzen gesetzt. Die traditionelle Holzsauna, mit Sitz-und Liegebänken, ist nur eine von vielen Varianten. Da gibt es die Sauna im Wohnwagen, mit Einblick von außen durch das große Panoramafenster, die Sauna im Zelt mit wackeligem Holzofen, die Sauna in einer spitzen, aus Baumstämmen gezimmerten Holzhütte und die Ein-Personen-Sauna in einer umgebauten Telefonzelle. Die Männer hingegen ähneln sich stark, wenn man den unterschiedlichen Bauchumfang mal außen vor lässt. Sie sitzen, schwitzen, reden, schütteln wissend die Köpfe und trinken Bier. In der Saune fällt alles von ihnen ab. Das zu zeigen, ist die große Leistung dieses Films.

Und doch ist er in seiner Gleichförmigkeit fast schon bedrückend monoton. Fast scheint es so, als wenn hier eine Stimme durchgängig spricht, so sehr ähneln sich die Erzählungen von ein und demselben Verlust, ein und derselben Angst und Aussichtslosigkeit. Dort wo sich opulentere Bilder anbieten, bei den eigentümlich skurrilen Saunatypen, den improvisierten Behelfssaunen oder der edlen, sich in Aufgussschwaden versteckenden Hochglanzsauna, da bleibt der Film sparsam. Er ist eben auch in seiner Form durchweg finnisch und bleibt deshalb etwas fremd und spröde.

Meinung zum Thema

Kommentare

Grossartiger Film. Ohne weiteres Kommentar sehr empfehlenswert.

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns