Kritik zu Was gewesen wäre

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Die Wiederbegegnung mit einer jungen Liebe bringt eine Beziehung, die gerade erst begonnen hat, in Gefahr: Produzent Florian Koerner von Gustorf inszeniert in seinem Regiedebüt mit sicherer Hand

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Sie kennen einander noch nicht lange: die Ärztin Astrid und ihr ehemaliger Patient Paul Schneider. Vor knapp drei Monaten hat sie ihn am Herzen operiert – und die Dinge des Herzens bestimmen nun auch die Geschichte, die in diesem Film erzählt wird. Mit »Was gewesen wäre« legt Florian Koerner von Gustorf, der langjährige Produzent der Filme Christian Petzolds, sein Regiedebüt vor. Er verfilmt darin den 2014 erschienenen Roman von Gregor Sander, der auch das Drehbuch schrieb, und er bringt in knappen eineinhalb Stunden eine erstaunliche Menge kompliziertes, erwachsenes Gefühlsleben unter. Freilich stehen von Gustorf mit Christiane Paul als Astrid und Ronald Zehrfeld als Paul zwei hochkarätige Mimen zur Seite, die sich noch nie mit einfachen Lösungen und oberflächlichen Darstellungen zufriedengegeben haben. Dementsprechend lohnend ist es, den beiden dabei zuzusehen, wie sie im Zusammenspiel realistisch nüchtern bleiben und souverän den melodramatischen Untiefen des Plots ausweichen.

Denn es verhält sich wie folgt: Der Westler Paul hat die in der DDR sozialisierte Astrid nach Budapest ins noble Hotel Gellért eingeladen und beide freuen sich auf ein Wochenende, das ganz ihnen gehören soll. Dann aber erkennt Astrid am Abend im Speisesaal in einem der Gäste Julius wieder, ihre erste große Liebe, und bald schon sehen sich die romantischen Gefühle der Gegenwart von den leidenschaftlichen der Vergangenheit mindestens bedroht, wenn nicht gar angegriffen. Julius und Astrids Wege nämlich trennten sich seinerzeit, vor über 30 Jahren, unter eher unklaren Umständen – die in organisch einfließenden Rückblenden geschildert werden. Da gäbe es also etwas zu ordnen, nach Möglichkeit zu bereinigen oder gar wieder aufzugreifen.

Während sich nun Astrid nach anfänglichem Zögern aufrafft zu längst überfälligen Aufräumarbeiten, sieht Paul sich zunehmend verunsichert: Hat er es mit einem Konkurrenten zu tun? Natürlich! Doch kann der, ein Phantom von früher, ihm wirklich heute noch gefährlich werden? Die noch junge Beziehung der beiden Endvierziger mit gescheiterten Beziehungen im Schlepptau sowie Kindern, die sie zu selten sehen, gerät unter Druck, noch bevor sie recht gefestigt ist. Und was folgt, spielt sich ab in einem Spannungsfeld zwischen der Bereitschaft zum Risiko und jener, vorauseilend das Weite zu suchen.

Dabei werden die (Verlust-)Ängste der Figuren in ihren Körpern sichtbar: Christiane Paul spielt Astrid mit einem leichten Dauer­vibrieren, das ihre Anspannung deutlich macht, ihr Hin-und-hergerissen-Sein zwischen dem neuen und dem alten Glück. Und Ronald Zehrfeld bringt in Paul eine Verletzlichkeit und Angreifbarkeit zum Ausdruck, die nur scheinbar im Widerspruch steht zu seiner massigen Statur. Reinhold Vorschneiders immer aufmerksame, aber nie aufdringliche Kamera fängt die sanften Nuancen eines unzweifelhaften dramatischen Geschehens ein, das von Gustorf so empathisch wie souverän, vor allem aber mit nicht nachlassender Aufmerksamkeit für die Details in Szene setzt.

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