Kritik zu Vorstadtkrokodile

© Constantin

Max von der Grüns Klassiker der Jugendbuchliteratur über eine Jungsclique im Ruhrgebiet, die auf Verbrecherjagd geht, wird in Christian Ditters Neuverfilmung modernisiert und tempomäßig aufgemotzt

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Am Anfang steht eine Mutprobe: Um in die Bande der »Vorstadtkrokodile« aufgenommen zu werden, muss der 10-jährige Hannes eine morsche Feuerleiter hinaufklettern und auf dem Dach der verlassenen Ziegelei eine Kette mit dem Abzeichen der Bande finden. Das gelingt ihm, allerdings zeigt sich auf dem Rückweg, wie marode das seit langem leerstehende Gebäude mittlerweile ist: Ziegel stürzen herunter, Hannes verliert den Halt und hängt hilflos an der Regenrinne, die nachzugeben droht. Gut, dass in letzter Sekunde die Feuerwehr auftaucht. Seine Rettung hat Hannes Kai zu verdanken. Der ist mit seiner Mutter gerade in die Ruhrgebietssiedlung gezogen und sitzt im Rollstuhl. Mit seinem Fernrohr beobachtet er vom Fenster seines Zimmers aus die Umgebung und hat dabei auch die Mutprobe aus nächster Nähe mitgekriegt.

Mitgekriegt hat er in derselben Nacht auch, wie drei Männer einen Einbruch machen. Ihre Gesichter konnte er zwar nicht erkennen, wohl aber, dass sie auf Motorrädern fuhren, von denen eines auffällig herausgeputzt war. Dieses Wissen soll sein Entrée bei den »Vorstadtkrokodilen« werden, doch die winken erst einmal ab. Den »Spasti« sehen sie als Belastung. Was ist, wenn sie mit ihren Rädern unterwegs sind, wie soll er da mitkommen? Und wie soll er in ihr Geheimversteck im Wald, ein Baumhaus, gelangen? Sollen sie ihn da etwa hochziehen?

1976 veröffentlichte der Ruhrgebietsschriftsteller Max von der Grün, selber Vater eines Sohnes, der an den Rollstuhl gefesselt war, seinen Jugendroman »Die Vorstadtkrokodile«, der bereits im nachfolgenden Jahr als Fernsehfilm für den WDR verfilmt wurde. Die Kinoversion von Regisseur Christian Ditter, der auch die letzte Drehbuchfassung verantwortet, hat die Geschichte in die Gegenwart verlegt und – laut Werbung – die »coolste Kinderbande« geschaffen, immerhin aber den Ruhrgebietsschauplatz erhalten.

Schon in der Vorlage bildet die Detektivarbeit der »Krokodile« das Gerüst, auf dem sich die Annäherung zwischen den Mitgliedern der Bande und dem, der gerne dazugehören würde, vollzieht. So konnte von der Grün wie nebenbei die Alltagsschwierigkeiten des Rollstuhlfahrers einflechten, die Vorurteile gegenüber Fremden, aber auch die sozialen Probleme der anderen Jugendlichen zur Sprache bringen. Die lakonische Erzählweise des Buches trifft der Film aber nur selten. Auch die moralischen Konflikte, die sich daraus ergeben, dass einer der Kriminellen der große Bruder eines Mitglieds der »Vorstadtkrokodile« ist, verkleinert der Film eher. Stattdessen erfindet er eine – handwerklich allerdings bemerkenswerte – Verfolgungsjagd hinzu, bei der Kai in seinem Rollstuhl mit Turboschaltung die Gang auf ihren Motorrädern austrickst, als sie ihn bis in die Fußgängerzone hinein verfolgen.

Das Spiel der jugendlichen Darsteller, darunter »alte Hasen« wie Manuel Steitz (»Räuber Hotzenplotz«, »Herr Bello«) und Nick Romeo Reimann (»Die Wilden Kerle« 3-5) allerdings überzeugt, auch Fabian Halbig (als Kai), ansonsten Schlagzeuger der Band Killerpilze, macht bei seinem ersten Leinwandauftritt keine schlechte Figur.

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