Kritik zu Unsere große kleine Farm

© Prokino

2019
Original-Titel: 
The Biggest Little Farm
Filmstart in Deutschland: 
11.07.2019
L: 
91 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ein kalifornisches Ehepaar zieht von der Stadt aufs Land und dokumentiert seine Erfolge und Rückschläge während der mühsamen Verwandlung eines verdorrten Stücks Erde in eine blühende Ökofarm

Bewertung: 4
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Es gibt tatsächlich Träume, die in Erfüllung gehen. Das dokumentiert die Geschichte von Molly und John Chester. John Chester ist Dokumentarfilmer und hat deshalb von Beginn an jeden ihrer Schritte mit seiner Kamera festgehalten: Das Ehepaar hatte sich einen Hund zugelegt und da dieser ständig bellte, wurde ihnen das Apartment in Los Angeles gekündigt. Ein Anlass, sich den lang gehegten Traum einer eigenen Farm zu erfüllen und raus aus der Megacity hinein in die Natur zu ziehen.

Doch von wegen Natur: staubtrockenes Land inmitten riesiger Monokultur-Plantagen sollte ihr neues Zuhause werden. Die Fruchtbarmachung dieses ausgelaugten Landstriches ist nun das Thema ihrer Dokumentation – eine kleine Farm wird zu einer großen Herausforderung. So war die Renaturierung des ausgedorrten Bodens dann doch eine solche Mammut-Aufgabe, dass sie die Hilfe des bekannten Ökoaktivisten Alan York benötigten. Von da an leitete die Vision einer Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur ihr Handeln. Im Dokumentarfilm »Unsere große kleine Farm« kann man nun mit Spannung ihre Erfolge, genauso wie ihr regelmäßiges Scheitern verfolgen.

Denn mit den Obstbäumen kommen die Wühlmäuse, die gern Wurzeln fressen, mit den Hühnern die Kojoten und mit dem Fischteich die Enten, die ihn verschmutzen. Für all dieses Ungemach Lösungen zu finden, die ohne Waffen (Kojoten), Gift (Wühlmäuse) oder chemische Mittel (Entenkot) auskommen, brauchten die Chesters Ideen und viel Geduld. Wenn man gegen die Wurzelfresser Eulen ansiedeln will, kommen die schließlich nicht von einem Tag auf den anderen.

Das Credo der Chesters, »Beobachten und Abwarten«, hat sich über die Jahre als sinnvolle Strategie erwiesen; ihr Film ist auch ein Beleg dafür, dass es möglich ist, ein ökologisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Doku zeigt das Ringen um den richtigen Weg ohne zu idealisieren und ohne zu verschweigen, dass es selbstverständlich dramatische Probleme gibt, die auch der idealistischste Ökobauer nicht wegdiskutieren kann. Wenn John dann doch zur Waffe greift, um einen Kojoten zu erschießen, bringt dies sein Selbstbild ziemlich ins Wanken. Es ist die große Stärke des Films, dass er diese Momente nicht verheimlicht.

In grandiosen Naturbildern, spektakulären Nachtaufnahmen und Slow-Motion-Beobachtungen kleiner Insekten und großer Vögel taucht man tief in den Kosmos der »Apricot Lane Farm« ein, die nach sieben Jahren dort angekommen ist, wo ihre Gründer sie einst erträumt haben. Ohne Investor und zahlreiche Helfer wäre das nicht zu bewerkstelligen gewesen. Die Fortschreibung der Utopie geht weiter. Auf die teilweise unerträglich sentimentalen Musikuntermalungen hätte die Dokumentation aber weiß Gott verzichten können. Wie so oft vertrauen die Filmemacher ihren eigenen Bildern nicht. Trotz dieser akustischen Berieselung ist ein wichtiger optimistischer Film mit Lösungsangeboten zur aktuellen Klimadiskussion gelungen.

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