Kritik zu A Thought of Ecstasy

© Drop-Out Cinema

2017
Original-Titel: 
A Thought of Ecstasy
Filmstart in Deutschland: 
25.01.2018
L: 
87 Min
FSK: 
16

Der Film-Grenzgänger RP Kahl verbindet einmal mehr in einem assoziativen Rausch Kunstfilm, männliche Masturbationsfantasie, Roadmovie und Noir-Thriller

Bewertung: 3
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Rolf Peter Kahls »A Thought Of Ecstasy« ist ein assoziatives Ungetüm: Ein filmischer Rausch, der in postmoderner Manier zwischen Kunstfilm, Masturbationsfantasie, Roadmovie und Noir-Thriller changiert. In seinen besten Momenten wirkt das, als hätte Nicolas Winding Refn auf LSD Michelangelo Antonionis »Zabriskie Point« neu verfilmt. Aber der Reihe nach.

RP Kahl ist eine deutsche Marke des randständigen Kunst- und Experimentalkinos. Sein letzter Film »Bedways« (2010), ein Kammerspiel um eine junge Regisseurin, die einen Film über Sex und Liebe drehen will, feierte Premiere auf der Berlinale und polarisierte, nicht zuletzt wegen der expliziten Sexszenen. Ähnlich ging es seiner neuen Tour de Force nach der Premiere beim Filmfest in München; wieder viel nackte Haut und die Kontroverse, ob das Kunst oder inhaltsleeres, pornografisch angehauchtes Getue ist. 

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In »A Thought Of Ecstasy« schicken Kahl und Koautor Torsten Neumann den Deutschen Frank (gespielt von Kahl) ins Amerika des Jahres 2019. Es ist kochend heiß, im Süden steht eine große Mauer und in Sacramento protestieren Studenten. Frank meint, in einem Roman seine zwanzig Jahre zurückliegende Beziehung zu Marie zu erkennen und macht sich in Kalifornien auf die Suche nach ihr. Auf seinem Weg trifft er die Literaturagentin Liz Archer (Deborah Kara Unger) und Nina (Ava Verne), die sich auf seltsame Weise von Frank angezogen fühlt. 

Kahl zeigt den Road- und Selbstfindungstrip, ähnlich wie damals Antonioni, als Rausch zwischen verödeter Natur und verrohter Kultur: hier die kühlen, mit (Leucht-)Reklame tapezierten Fassaden und die wie Tentakel wuchernden Highways, dort die unbarmherzige Hitze der Wüste, in der es auch in »A Thought Of Ecstasy« zu träumerischen sexuellen Intermezzi kommt. In metaphorischer Aufgeladenheit entwickelt sich der Trip schließlich zu einer Erzählung über das Erzählen selbst, in der die Grenzen zwischen dem Roman und Franks Erlebnissen immer durchlässiger werden.

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Der dünne Plot, der noch mit einer Rachegeschichte aufwartet, ist dabei nur Mittel zum Zweck für eine ästhetisch elaborierte Verführung des Zuschauers: Mit satten Sounds, etwa vom Berliner Technotrio Moderat oder der von Gajek elektronisch umgesetzten Version von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1, zerrt uns Kahl langsam ins Tal der Sünde, das spätestens in dem in Rotlicht getauchten Bunker in der Wüste eine Manifestation findet. Hier werden wir, genau wie Frank, endgültig zum Voyeur, wenn Nina ihre Freier in SM-Manier bestraft.

Ein Zitat von Jean Baudrillard, das dem Film aufgepfropft wird, schwebt über allem: »Aber die Verführung ist unvermeidlich. Keine lebende Person kann ihr entkommen, nicht einmal die Toten.« In »A Thought Of Ecstasy« wird das soweit durchdekliniert, bis am Ende alles in existenzieller Konsequenz zu verschwinden scheint. Erneut zeigt sich Kahl als filmischer Grenzgänger, wobei »A Thought Of Ecstasy« eine Spur zu überambitioniert geraten ist, um seinem penetrant artikulierten Anspruch als Kunstwerk gerecht zu werden.

Meinung zum Thema

Kommentare

Wären nicht einige Nacktszenen im Film würde wohl auch der letzte "Kunstliebhaber" nur den Kopf schütteln. Das ist einfach nur verschwendete Zeit. Sogar in 8facher Geschwindigkeit. Jedes weitere Wort ebenso.

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