Kritik zu Submission

© Kinostar Filmverleih

Was die Romanvorlage satirisch als Fallstricke politischer Korrektheit verhandelt, inszeniert Richard Levine als gediegen-verwirrendes Spiegelkabinett

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Eine Figur wie Ted Swenson gehört gewissermaßen zum Grundbestand der nordamerikanischen Literatur. Dem Kino ist sie ebenfalls nicht ganz fremd. Sie vereinigt zahlreiche, auch widersprüchliche Fantasien in sich: von Glanz und Scheitern, von Anspruch, Macht und Anfechtung. Ted (Stanley Tucci) ist ein Musterbeispiel akademisch begrabener Kreativität. Seit zehn Jahren versucht er, das Versprechen seines ersten Romans einzulösen. Aber das Dasein als Literaturdozent an einem College in Vermont hat ihn korrumpiert. Es ist schlicht zu komfortabel. Und allen Ernstes: Wartet die Welt wirklich auf eine postmoderne Revision von Stendhals »Rot und Schwarz«?

Anfangs hegte er noch die Hoffnung, ganze Klassen würden sich in ihn verlieben. Nun ist er froh, wenn er die trostlosen Unterrichtsstunden übersteht. Der studentische Mangel an Talent und Elan laugt ihn aus; seine letzte Zuflucht ist sein allerdings agiler Sarkasmus. Einige Illusionen hat er sich noch bewahrt: Er hält sich noch immer für den brillantesten Kopf im Raum.

Unverhofft weckt das Manuskript einer Studentin die Neugierde des blasierten Dozenten. Angelas (Addison Timlin) Stil begeistert ihn. Gegen ihre offensiven ­Komplimente ist er nicht gefeit. Ted, der seine Studenten stets ermahnt hat, ein Werk nicht mit dem Autor gleichzusetzen, gerät zusehends in den Bann der sexuellen Fantasien, die Angela ihm nun kapitel­weise zu lesen gibt. Ein wechselseitiges intellektuell-erotisches Stalking beginnt, bei dem er zu spät merkt, dass Angela ihm immer ein paar Schritte voraus ist.

Teds Ahnungslosigkeit überträgt sich nahtlos auf Richard Levines Rauminszenierung, wo stets ein Dekor den Blick versperrt. Die Kameraführung wird mit der Zeit paranoider, heftet sich wie ein bedrohlicher Beobachter an die Akteure dieser Tragikomödie. Das Vergehen der Zeit, das ein heimliches Thema des Films ist, ist zugleich ein Fallstrick seiner Rezeption: Er kam in den USA 2017 noch vor dem Ausbruch der #MeToo-Debatte heraus. Als Film der Stunde taugt er nicht, was erst einmal kein Argument gegen ihn sein muss. Mulmig ist vielmehr sein konservativer, ja nostalgischer Zug. Francine Proses Romanvorlage wird als Satire gehandelt, aber die Verfilmung blendet recht komfortabel zurück in eine Epoche, als ältere weiße Männer sich nur den Herausforderungen der politischen Korrektheit stellen mussten. Gewiss, Ted hat die Stricke gutteils selbst geknüpft, die ihn zu Fall bringen. Aber letztlich sieht Levine ihn als Opfer einer raffinierten Intrige.

Plausibel sind die Rankünen der jungen Femme fatale nicht, aber Timlin tritt überzeugend für sie ein. Demgegenüber bleibt Kyra Sedgwick als nichtsahnende Ehefrau lange Zeit unterbeschäftigt. Diese blanke Vernachlässigung macht sie in einer einzigen Szene wett, in der sie das Stadium der Verletzung einfach überspringt und gleich zornig wird. Tucci, mit einem ansehnlichen Toupet ausstaffiert, gibt derweil die Hoffnung nicht ganz auf, seine Figur könne zu tieferer Selbsterkenntnis gelangen.

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