Kritik zu Starbuck

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Stell' dir vor, du bist als Samenspender Vater von 533 Kindern geworden und 142 davon wollen dich nun kennenlernen: Der kanadische Regisseur Ken Scott verwandelt einen Schenkelklopferwitz in eine überraschend einfühlsame Komödie

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Unter schwer pubertierenden Jungs gehört die Vorstellung, als Samenspender zu »arbeiten«, zu den beliebten Feixereien: »Stellt euch das mal vor, da hat man Spaß und bekommt noch Geld dafür!« Ha-ha. Der Titelheld des Films Starbuck scheint diese Jungsfantasie gleichwohl zum Exzess getrieben zu haben. Aber der Reihe nach: David Wozniak ist um die 40, lebt in Quebec und hält sich als Fleischausfahrer für die Metzgerei seines Vaters mehr schlecht als recht über Wasser. Er ist nicht etwa faul oder ein schlechter Mensch (ganz im Gegenteil), er bekommt nur sein Leben nicht recht auf die Reihe. Schwer zu sagen, ob es Unvermögen oder eine passive Form der Rebellion ist, jedenfalls kann oder will David nicht nach den Konventionen der modernen Malochergesellschaft funktionieren. Erst als seine Freundin schwanger wird, nimmt er sich fest vor, sein Leben grundlegend zu ändern. Ausgerechnet in dieser Situation wird er mit den Folgen eines Jobs aus jungen Jahren konfrontiert: Ende der 80er hatte er unter dem Pseudonym »Starbuck« 648 Mal seinen Samen gespendet. Daraus gingen 533 Kinder hervor, von denen sich nun 142 zusammengeschlossen haben, um per Klage die Identität ihres Vaters zu erfahren.

Diese Ausgangssituation bewegt sich natürlich fern jeder Realität. Allein die Frage, wie sich die Kinder trotz Verschwiegenheitspflicht der Samenbank gefunden haben, lässt sich kaum plausibel beantworten. Auch wirkt manches arg konventionell, etwa Davids Konflikte mit seinen Machobrüdern oder die skurrile Figur seines besten Freunds, der sich ihm als Anwalt zur Verfügung stellt.

Aber das sind Dinge, die angesichts des enormen Charmes des Films und seiner Darsteller in den Hintergrund treten. Das Überzogene der Prämisse verbindet sich mit dem relativ realistisch gehaltenen Milieu, in dem David lebt, zur humanistischen Fabel über einen Mann, der ganz allmählich lernt, sein Leben in die Hand zu nehmen. Wer angesichts der Story eine schrille Schenkelklopferkomödie erwartet, liegt jedenfalls falsch.

Es braucht, so heißt es, ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen – in Starbuck wird diese Binsenweisheit auf originelle Weise umgedreht, wenn eine riesige Horde von jungen Leuten ihren Vater dazu bringt, endlich erwachsen zu werden. Die schönsten Szenen zeigen denn auch David, wie er inkognito die Bekanntschaft seiner Sprösslinge sucht und ihnen mit väterlichem Rat zur Seite steht. Eine schöne Idee auch, dass die meisten kaum weniger mäandernd durchs Leben ziehen als ihr Papa und vor allem durch ihren Gemeinschaftsgeist an Kraft und Zielstrebigkeit gewinnen. Immer wieder gibt es dabei zu Herzen gehende Momente, pathetisch wird es jedoch nie. Wo schlechtere Filmemacher nach Kräften auf die Tränendrüse drücken würden, etwa wenn David einen schwerbehinderten Jungen besucht, bleibt Regisseur Ken Scott betont nüchtern und verzichtet sogar auf jeglichen Musikeinsatz. Von dieser Art der Zurückhaltung im richtigen Moment profitiert der ganze Film. Starbuck ist ein »Feelgood- Movie«, keine Frage. Doch wenn man das Kino verlässt fühlt man sich zwar gut, aber nicht manipuliert.

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