Kritik zu Star Trek: Beyond

© Paramount Pictures

Noch ein paar Warp-Einheiten: Justin Lin übernimmt nach J. J. Abrams die Regie am revitalisierten Franchise über die Abenteuer eines Raumschiffs namens Enterprise

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Es ist leicht, in der Weite des Weltalls verloren zu gehen«, raunte es in einem der Trailer. Vielleicht kann man das als Anspielung auf den letzten Film verstehen, mit dem J. J. Abrams, der Overlord des aktuellen SF-Kinos, die gerade erst erfolgreich belebte »Star Trek«-Serie schon im zweiten Anlauf »Into Darkness« geführt hatte – es war ein passender Titel für die übellaunige Geschichte um eine alternative Version des Superschurken Khan.

Die Aufgabe bestand also darin, die Enterprise zum Jubiläum wieder auf Kurs zu bringen. Vielleicht - raus aus dem Quadranten "dramatisch, zerquält und ambitioniert", den gerade so viele Blockbuster-Teams besiedeln? Justin Lin, der Abrams als Regisseur gefolgt ist, hat nach vier der sieben »Fast and Furious«-Filme Erfahrung darin, ein stotterndes Franchise mit geliehenen Bauteilen zu beschleunigen. Lin schlägt auch gleich sein eigenes Tempo an: flott, unernst, im B-Picture-Stil, mit krachender Action, aber ohne visuelle Manierismen wie die Blendenflecke, die erst als Markenzeichen des »auteurs« Abrams gefeiert wurden und irgendwann nur noch zickig wirkten.

Strukturell ist »Star Trek: Beyond« wie eine Serienfolge angelegt, mit einem abgeschlossenen Plot. Die Crew um Chris Pines Captain Kirk hat sich endlich mal wieder von der Erde gelöst und ist seit Jahren in klassischer Forschungsmission unterwegs. Kirk selbst scheint den Fokus verloren zu haben und fragt sich, was er im All überhaupt soll. Seine nachdenkliche Phase währt allerdings nur so lange, wie es braucht, um die typische Gruppendynamik in Gang und die Teammitglieder in Szene zu setzen. Dann geht es in einen unvermessenen Raumsektor, wo ein neuer Feind eine furchterregende Biowaffe zu kontrollieren sucht, mit der er die Föderation angreifen will. Aus ideologischen Gründen offenbar: »this is were the frontier pushes back«, droht Idris Elbas Krall – dem »friedlichen« Expansionsdrang der Föderation sollen Grenzen gesetzt werden.

Dass die moderne Enterprise nach einer brachialen ersten Raumschlacht auf einem M-Klasse-Planeten crasht, gibt Lin Gelegenheit, ein angenehmes Retrogefühl ins Spiel zu bringen: individualisierte Uniformen, low-tech-Gadgets, in die Jahre gekommene Rockmusik – Überbleibsel einer früheren Föderationsexpedition. Selbst die Felsen, zwischen denen die in Mini-Teams zersprengte Crew umherirrt, sehen manchmal aus, als hätte man sie auf dem Paramount-Studiogelände zusammengekarrt. Das Drehbuch, mitverfasst vom Nerd-Botschafter Simon Pegg (als Scotty Mitglied der Crew), achtet darauf, sich nicht so schamlos bei der Originalserie zu bedienen, wie es »Into Darkness« tat, und stellt seine Witze wie glitzernde Fundstücke aus: von Kirks Verschleiß an Hemden bis zu den Wortgefechten zwischen Spock und Doktor McCoy. Wenn der computeranimierte Schwarm von Kralls Bio-Kampfschiffen nicht so fatal an die »Transformers« erinnern würde und der »politische« Plot-Strang nicht so unterentwickelt wäre, hätte der Film richtig gut sein können. Die zentrale Metapher gibt indes Hoffnung: In »Star Trek: Beyond« wird über weite Strecken repariert, improvisiert, gebastelt. Da stecken noch ein paar Warp-Einheiten drin.

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