Kritik zu Spuren

Trailer englisch ©

Die junge Frau und die Wüste: Mia Wasikowska spielt die Australierin Robyn Davidson, die 1977 mit vier Kamelen und einem Hund in neun Monaten den Kontinent durchwanderte, von Alice Springs bis zum Indischen Ozean

Bewertung: 4
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3.5
3.5 (Stimmen: 4)

Quer durch die australische Wüste, von Alice Springs bis an die Küste des Indischen Ozeans, 2 700 Kilometer in neun Monaten: Die Australierin Robyn Davidson nahm dieses Abenteuer 1977 auf sich. Eine Frau und die große Einsamkeit: Allein mit vier Kamelen und einem Hund war der Trip eine physische und psychische Kraftanstrengung, die vierzig Jahre später in der Verfilmung von John Curran allen Strapazen zum Trotz ausgesprochen verführerisch aussieht. Schon damals, lange vor der medialen Dauerbeschallung durch Internet und Handys, flüchtete Robyn Davidson vor der lauten Zivilisation und ihrer grassierenden Oberflächlichkeit.

Ein Abenteuertrip als Überlebensgeschichte und Selbstfindungsodyssee: Seine ungeheure Kraft bezieht Spuren aus der Spannung zwischen dem atemberaubenden Schauplatz und einem einzelnen Menschen, der sich zugleich harmonisch einfügt und erbarmungslos ausgeliefert ist. Mandy Walker, die schon in Baz Luhrmanns Australia ein besonderes Gespür für die wilde Schönheit des australischen Outbacks bewiesen hat, kontrastiert sparsame, aber umso wirkungsvollere Totalen aus der Ferne und der Luft mit bodenna­hen Bildern, die Robyn zu einem Teil der Landschaft machen, was mit fortschreitender Reise immer deutlicher wird, je mehr ihre sonnenverbrannte, verstaubte Haut und die strohigen Haare der rissigen ausgedörrten Erde und den struppigen Spinifexgräsern gleichen. Wesentlich inspiriert ist Walkers Blick durch die Fotos, die der junge Fotograf Rick Smolan (rührend linkisch gespielt von Adam Driver aus Girls) damals für eine »National Geographic«-Reportage aufnahm, mit der sich Davidson widerwillig die Finanzierung des Trips erkaufen musste. Dabei klingt in Spuren ein Echo all der Filme nach, die seit den 70er Jahren von der spirituellen Kraft des australischen Outbacks ebenso erzählen, wie vom Unrecht an den Aborigines, von Nicolas Roegs Walkabout über Fred Schepisis Die Ballade von Jimmie Blacksmith und Peter Weirs Picknick am Valentinstag bis zu Phillip Noyces Rabbit-Proof Fence. Eine der schönsten Passagen dieses kontemplativen Films sind die Tage, in denen Robyn von einem Aborigine-Ältesten in einer Abkürzung durch das heilige Land geleitet wird. Während sie ausgesprochen ungeduldig auf die kurze Anwesenheit des Fotografen reagiert, der an vorher verabredeten Stationen zu ihr stößt, läuft sie tagelang einträchtig und in sich ruhend mit Eddie durch das Land.

Der amerikanische Regisseur und Wahlaustralier John Curran und seine Hauptdarstellerin, die gebürtige Australierin Mia Wasikowska, teilen ein Faible für die karge Schönheit der australischen Natur und für unzugängliche Helden. Die Verwunderung von Alice in Wonderland ist in Wasikowskas Zügen jetzt einer unnachgiebigen Zähigkeit gewichen, die schon in ihrer Jane Eyre zu spüren war. Ihr langer Atem bestimmt den Rhythmus eines Films, der weniger dem Drive einer fortschreitenden Erzählung folgt, als sich einer lebensverändernden Erfahrung hinzugeben, intoniert von einem Soundtrack, den der noch unbekannte Garth Stevenson weitgehend der Natur ablauscht.

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