Kritik zu Slither – Voll auf den Schleim gegangen

Trailer englisch © Universal Pictures

Fett- und cholesterinhaltig: ein Glibber-Thriller von James Gunn

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Zu Beginn erzählt die Lehrerin Starla Grant ihren Schülern etwas über Charles Darwin: »Survival of the fittest« bedeutet nicht, dass der Stärkste überlebt, sondern die Spezies, die am besten an die Umwelt angepasst ist. Auf diese »Umwelt« wirft Regisseur James Gunn, durch sein Drehbuch für das hervorragende »Dawn of the Dead«-Remake in Erinnerung, prägnante Blicke. Die Kamera streift durch die Straßen der heruntergekommenen Kleinstadt Wheelsy und beobachtet die verarmte Bevölkerung. Wie man sich an eine solche Umwelt anpasst, in der fettleibige Karaoke-Sängerinnen schmerzhaft falsch »The Crying Game« trällern – darauf gibt Gunn in seinem Glibber-Thriller eine ausgesucht geschmacklose Antwort.

Der Horror beginnt damit, dass die Lehrerin Starla ihren Ehemann Grant wieder einmal zurückweist. Der sexuell frustrierte Gatte will fremdgehen, überlegt er es sich jedoch anders, denn die Ehe ist ihm heilig. Just in diesem Moment entdeckt er im Wald einen gallertartigen Klumpen aus dem All, der ihn mit einem außerirdischen Parasiten infiziert. Von nun an wird es unappetitlich. Mit geradezu sportlichem Ehrgeiz hat James Gunn sich Horror-Klassiker von »Alien« bis zum »Blob« einverleibt, um einschlägige Motive der körperlichen Penetration und oralen Einverleibung zu einem Ekelpaket zu schnüren.

Michael Rooker, der schon in »Henry – Portrait of a Serial Killer« wie ein Alien wirkte, verwandelt sich in einen nimmersatten Fleisch-Junkie, der irgendwann aussieht wie Jabba the Hutt. Im Keller hortet er vergammelte Steaks und halbe Hunde. Nicht uninteressant ist die Wendung, dass Grant zu einem schizophrenen Alien mutiert. Einerseits muss er seine Spezies erhalten, doch die extraterrestrischen Triebe in seinem Leib werden so weit domestiziert, dass Gattin Starla tabu ist: Die Ehe ist auch für Aliens ein Gebot. Also kidnappt der immer schleimiger werdende Grant die allein stehende Mutter Brenda und sperrt sie in eine abgelegene Waldhütte. Durch exzessiven Fleischkonsum verwandelt sie sich in eine schnelle Brüterin mit zimmergroßem Bauch: »Something is wrong with me«, sagt sie und hat nicht ganz unrecht.

Spätestens hier wird klar, dass die Grundidee von »Slither« darauf hinausläuft, Morgan Spurlocks Dokumentarfilm »Super Size Me« als Zombie-Thriller logisch zu Ende zu denken. Meat – Fleisch! lautet die Botschaft des Films. Die wurmartigen Parasiten, die sich wie in David Cronenbergs »Shivers« ausbreiten, sind eine Metapher für Fastfood. Dabei zielt Gunns Slapstick-Schlachtplatte auf ein Mainstream-Publikum ab. Der Film versucht einen Spagat zwischen Komödie und Schocker, doch irgendwann verliert sich die Dramaturgie in den verschlungenen Windungen der Gedärme, die allerorten herumliegen. Über den buchstäblichen bad taste der amerikanischen Trash-Kultur macht der Film sich auf zynische Weise lustig. Dass sich aber zwei toughe Girlies als Zombie-Jägerinnen profilieren, erscheint als modische Attitüde.

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