Kritik zu Siri Hustvedt – Dance Around The Self

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2026
Original-Titel: 
Siri Hustvedt – Dance Around The Self
Filmstart in Deutschland: 
02.04.2026
L: 
115 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Siri Hustvedt ist eine der bedeutendsten literarischen Stimmen der USA. ­Sabine Lidl zeichnet ein einfühlsames Schriftstellerinnen- und Frauenporträt.

Bewertung: 4
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Der Titel führt in die Irre. Wer »Dance Around the Self« ins Deutsche übersetzt, könnte meinen, dass da eine Person selbstverliebt und egozentrisch um sich selbst kreist. Doch wer einige Bücher der amerikanischen Autorin kennt und sich nur wenige Minuten auf das Porträt von Sabine Lidl einlässt, merkt sofort, dass da eine Frau nicht um sich, sondern in der Welt kreist, um verschiedene Perspektiven einnehmen zu können und so die Welt zu verstehen. Über Jahre hat Lidl die Autorin Siri Hustvedt begleitet – in ihre Heimat Minnesota, zu Lese- und Forschungsreisen, bei der Arbeit in ihrem Haus in Brooklyn, bei Gesprächen mit ihrem Mann Paul Auster, beim Spielen mit ihrem ersten Enkelkind. Es sind intensive Momente, in denen Hustvedt die Zuschauenden ganz nah an sich heranlässt – auch in Zeiten ihrer größten Trauer. Im April 2024 stirbt Paul Auster, Hustvedts »Lebensmensch«, wie sie ihn selbst nennt.

Lange war – und ist mitunter bis heute – Hustvedt vor allem als »die Frau von Paul Auster«, dem Schöpfer unter anderem der »New-York-Trilogie«, bekannt. Dabei ist die 1955 im ländlichen Minnesota geborene und aufgewachsene Hustvedt selbst seit Jahrzehnten eine der wichtigsten literarischen und intellektuellen Stimmen Amerikas. Und doch war es Paul Auster, der Hustvedt und Lidl zusammenbrachte. Lidl hatte bereits ein Porträt über Auster gedreht. Bei einem New-York-Besuch hatten sie und ihr Mann, der Schauspieler und Regisseur Dani Levy, die Idee, Auster anzurufen. »Er war wohl der einzige Mensch, den man noch spontan anrufen konnte und erreichte – auf dem Festnetz«, erzählte Lidl bei der Premiere auf der diesjährigen Berlinale. Während der kleinen Teerunde stieß irgendwann Hustvedt dazu.

Grandios und einfühlsam gelingt Lidl das Porträt einer Frau, die ihre Art zu ­schreiben mit ihrer Art zu leben verbindet, die sich aus der Provinz befreit, aus der Erwartung, stets ein braves Mädchen zu sein, sich von ihrem Vater, einem Norwegisch-Professor emanzipiert, die in New York die Figur ihres ersten Romans sucht und Paul Auster findet. Voller Liebe, Respekt und größter Wertschätzung ist der Umgang der beiden miteinander.

Lidl vermittelt das Bild einer nachdenklichen, verletzlichen, sanften, lebensfrohen und extrem reflektierten Frau. Sie fügt animierte Zeichnungen von zarten, energiegeladenen Frauenfiguren ein, die durch dieses Leben eilen. Es sind Hustvedts Zeichnungen, die lange von der Öffentlichkeit unbemerkt blieben – obwohl einige auf den Covern ihrer Romane zu sehen sind. Eine späte Würdigung und eine kleine Genugtuung für Hustvedt, wie sie auf der Berlinale verriet.

In der ersten halben Stunde hält sich Lidl etwas sehr intensiv mit literarischen, psychologischen und neurowissenschaftlichen Überlegungen Hustvedts auf, sodass das Porträt in eine allzu akademische Betrachtung abzudriften droht. Doch dann entfaltet sie die ganze Vitalität und Klugheit ihrer Protagonistin, so dass man dieser beeindruckenden Frau ewig folgen möchte. Es ist ein intensives, eindringliches, einfühlsames Porträt einer außergewöhnlichen Frau.

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