Kritik zu Schubert in Love

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Pullunder-Comedian Olaf Schubert drängt es jetzt auch auf die Leinwand. Damit können aber nur seine härtesten Fans etwas anfangen

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Man muss die Karriere eines erfolgreichen Komikers wahrscheinlich mit der eines Trüffelschweins vergleichen. Mit feinem Näschen stets auf der Suche nach einer neuen Kostbarkeit. Das Problem für die Tiere: Wenn sie fremdes Terrain beschnüffeln, sind sie meist genauso wenig erfolgreich wie deutsche TV-Komiker, die glauben, dass sie auch auf großen Kinoleinwänden bestehen können. Welch fataler Irrtum. Womit wir bei Olaf Schubert wären, dem »Wunder im Pullunder«, wie er sich selbst gerne nennt. Man kennt das hagere Männlein aus der »heute-Show,« vom MDR, dem »Quatsch Comedy Club« oder anderen Formaten, wo er als sächselnder und weltfremder Weltverbesserer mit sprödem Charme zu glänzen versteht. Das kann er. Bei dem Versuch, seine Strahlkraft auf die Gesetzmäßigkeiten eines Spielfilms zu verteilen, scheitert er bedauerlicherweise. »Schubert in Love« ist eine Nummernrevue mit erschreckend wenig Esprit.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Protagonist spielt sich selbst und fristet ein Eigenbrötlerdasein als Sozialarbeiter in Dresden. Während er nebenbei amateurhaft an der Produktion eines Musicals arbeitet, sehnt sich der Vater (Mario Adorf) nach einem Stammhalter, der die berühmte Ahnenreihe der Familie weiterführen soll. So sind unter anderem – Achtung, Kalauer – Jesus Christus, Hitler-Attentäter Stauffenberg und natürlich Komponist Franz Schubert im Stammbaum vertreten. Ein Gag, für den man so viel Verständnis wie Argwohn aufbringen sollte.

Damit es mit dem Kinderwunsch klappt, muss allerdings erst einmal eine Frau her. Über eine Anzeige (schalten einsame Menschen in Dresden tatsächlich noch Anzeigen?) lernt der tapsige Olaf ein Dutzend Frauen kennen, die er mit seiner mentalen Tapsigkeit aber gleich wieder vergrault. Hier hat übrigens Martina Hill, Deutschlands bester weiblicher Comedian, einen kleinen, leider lauwarmen Auftritt als Ostzonen-Gabi-Imitat. Die Gefühle erwachen dann doch noch im verklemmten Schubert, als er der nicht minder verschrobenen Wissenschaftlerin Pamela (Marie Leuenberger) immer wieder über den Weg läuft.

Vielleicht muss man aus Dresden-Klotzsche kommen, um die humoresken Feinheiten dieses Films zu verstehen, die sich dem Betrachter von anderswo nur schwer erschließen. Bei Mario Adorf und seiner Rolle als feudaler Patriarch ist man hin- und hergerissen: Ist das jetzt schon wieder seine Version von Brandos Don Corleone? Oder imitiert Adorf womöglich einen Adorf-Brando-Imitator? Lachen mag man nicht, der Humor wirkt hier einfach zu abgehangen. So bleibt die Erkenntnis, dass nur beinharte Olaf-Schubert-Fans an diesem Film Gefallen finden werden. Der konzentriert sich irgendwann wie angeödet von der Handlung auf die Absurdität seines Hauptdarstellers, den man, wenn man es besonders gut mit ihm meint, vielleicht den kleinen sächsischen Bruder von Pierre Richard nennen könnte. Comedians auf der Leinwand – man hofft inständig, dass nicht auch noch Mario Barth als Nächstes auf Ideen kommt.

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