Kritik zu Samsara

© Busch Media Group

2011
Original-Titel: 
Samsara
Filmstart in Deutschland: 
23.08.2012
L: 
100 Min
FSK: 
12

Eine »geführte« Meditation in Bildern – und was für Bilder: In 70-mm-Panavision aufgenommene spektakuläre Schauwerte aus 25 Ländern und fünf Kontinenten, gesammelt über fünf Jahre

Bewertung: 2
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Ein Kreis rotgewandeter Mönche sitzt konzentriert um einen großen Tisch und rieselt aus gefärbtem Sand langsam ein feingliedriges Gemälde, das das buddhistische Konzept vom ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen (Hindi: Samsara) als Lebensrad bildlich darstellt. Ein eindruckvolles und beliebtes Filmmotiv, nach dem Ron Fricke und Mark Magidson ihren Film benannt haben. Es geht sogar noch weiter, die Filmemacher versuchen auch, das in der Mandala dargestellte religiöse Bildprogramm, das sich in zwei gegenläufigen Bewegungsrichtungen durch die Stufen von Leiden und Erlösung bewegt, ihrem Film selbst als Struktur zugrunde zu legen.

Der lebt vom Spiel mit Ähnlichkeit und Kontrasten: Ehrfurchtsvolle Kamerastreifzüge über religiöse Monumente, Naturdenkmäler und das vorbeiziehende Himmelsfirmament werden gegen Zivilisationsmüll und Metropolenwüsten gestellt, verstärkt mit drastischen Schatten- und Zeitraffereffekten. Später geht es auch in die Abgründe von industrieller Tierproduktion und Kriegsmaschine. Befremdlich die Auswahl, die sich im Negativen auf asiatische Soldaten in martialischen Positionen fixiert, während als einziger US-Vertreter ein durch Verwundung verunstalteter Offizier auf einem Heldenfriedhof posiert.

Eine geführte Meditation solle Samsara sein, heißt es in der Presserklärung der beiden Filmemacher. Manchmal fühlt man sich doch sehr eng an die Hand genommen. Die Montage ist formal perfekt, zeigt aber auch, wie naiv es ist, eine wort- und kommentarlose Darstellung – wie hier – per se als wertfrei zu betrachten, wie es gern geschieht. Denn von einem verbalen Kommentar kann man sich als Zuschauer intellektuell viel leichter distanzieren als von den emotional aufgeladenen Bild- und Montageeffekten. In dem Zusammenhang muss auch der Soundtrack erwähnt werden, der, wie bei solchen Projekten üblich, gemeinsam mit den visuellen Schaueffekten ganz auf illustrierende Überwältigung zielt.

Fast fünf Jahre Drehzeit, hundert Drehorte in 25 Ländern, die 70-mm-Panavision-Kamera von Koyaanisqatsi-Kameramann Fricke und spektakuläre Luftaufnahmen und Perspektiven: Die Fakten sind beeindruckend, auch das, was Kameratechnik zu leisten vermag: Da sind etwa in der Vogelschau auf die Kaaba von Mekka die Pilgermassen wie im Gottesmikroskop als Ornament winzig wimmelnder Mikroben zu sehen. Das beeindruckt. Befremdlich aber auch hier wieder die weitgehende Fixierungder US-amerikanischen Produktion auf exotische Menschen und Orte, von denen einige in den letzten Jahrzehnten fast zu Standardtopoi dokumentarischer Schaulust geworden sind: Indonesische Schwefelminen, chinesische Arbeiterkolonnen, brasilianische Müllhalden – alles in Panavision mit opulenter Musikbegleitung. Irgendwann kommt da der Gedanke, ob es – gerade bei dem von den Autoren für sich postulierten spirituellen Ansatz – nicht angemessener gewesen wäre, der Welt auch filmtechnisch mit weniger Gigantomanie und mehr Demut entgegenzutreten.

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