Kritik zu Safari

© Neue Visionen Filmverleih

Ulrich Seidl widmet seinen dokumentarischen Blick diesmal einer Gruppe sich wie immer selbstentlarvender Touristen-Großwildjäger in Afrika

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Für nicht selbst in die Rituale Initiierte ist es wohl der unheimlichste Moment einer Jagd, wenn der Schütze nach dem Töten des Wilds erst mit einem »Waidmannsheil« umarmt wird und sich dann mit dem erlegten »Stück« zum Trophäenschnappschuss stolz vor der Kamera aufbaut. Dabei wird dieses so drapiert, als ob es noch leben würde. Und um das Motiv fürs Bild besser freizustellen, Grasbüschel rings um die Sterbestelle abgemäht.

Um diese Prozedur kreist auch die jüngste Arbeit von Ulrich Seidl, der mit seinen Filmen seit mehr als fünfundzwanzig Jahren Befindlichkeiten und Mentalitäten seines Heimatlandes zur Kenntlichkeit entstellt. Dabei arrangiert er seine Darsteller und Darstellerinnen in kunstvoll arrangierten, oft plakativen Settings, die mal dokumentarisch nah, mal weiter entfernt von deren eigenem Leben sind. Geografisch geht es dabei dieses Mal von Österreich bis nach Namibia, wo seine Protagonisten in rustikaler Tropentracht durch die großtierreiche Savannenlandschaft um eine österreichisch geführte Lodge im zentralen Hochland streifen.

Es sind ebenfalls österreichische Safari­touristen, von denen ein Paar mit seiner stattlichen Sammlung ausgestopfter Trophäentiere schon in Seidls letztem Film »Im Keller« eine Rolle hatte. Nun gibt der Ehemann den Pausenclown am Rande, der auf der heimischen Terrasse die Abschusslistenpreise diverser Tierarten aus dem Katalog abruft und später mit einem Kumpel unbeholfen einen Hochstand besteigt. Im Zentrum dagegen steht eine aus einigen älteren und zwei Nachwuchsjägern bestehende Gruppe eher großbürgerlicher Herkunft, die auf Zuruf auch immer wieder kurze Erklärungen zum Selbstverständnis als Jäger in die Kamera gibt. Ergänzt werden sie durch die Betreiber der »Leopard Lodge« selbst. Dass sich dabei mit den hingestolperten jägerlateinischen Rechtfertigungsfloskeln jeder auf seine Art lächerlich macht, überrascht bei Seidl nicht.

Interessanter sind die ausführlichen, beobachtenden Jagdszenen, bei denen die Hobby-Safaristen begleitet von einheimischen Rangern so angespannt wie ungelenk im Buschwerk herumstaksen, bevor es zum erlösenden Schuss kommt. Dabei konstruiert Seidl eine schlichte, emotionalisierende Dramaturgie, indem er von eher unbekannten neutralen (jedenfalls bei durchschnittlichen europäischen Tierliebhabern) zu zunehmend populäreren Spezies fortschreitet. Am Ende wird eine Giraffe nach langem, elendem Todeskampf von einheimischen Arbeitern auf einen Transportwagen ins Schlachthaus bugsiert und dort ausgeweidet, was Seidl in gefühlter Echtzeit als Klimax des Films montiert.

Den Comic Relief liefern die anfangs erwähnten Alten, die ihren Hochstand vor allem zum ungestörten Bierkonsum nutzen und so (jedenfalls im Rahmen dieses Films) erfreulicherweise ohne Beute bleiben. Als komischer Effekt ist das zu billig. Ähnlich exploitativ ist Seidls Umgang mit den als Arbeitskräften anwesenden Afrikanern, deren von Härte und Not gezeichnete Gesichter er in Tableaus stumm aneinanderreiht. Sprechen dürfen sie nicht. So bleibt das simple Ausstellen des offensichtlich Monströsen (mal wieder) Tautologie und die Menschen bloße Dekoration.

Meinung zum Thema

Kommentare

Was empfindungslosen Menschen mit zuviel Geld alles so einfällt ... unfassbar ... da kann man nur hoffen, dass sich mal versehentlich ein Schuss löst und diesem selbstgefälligen Dreckspack die leere Rübe wegbläst ... was bleibt ist hilflose Wut ...

Ich fühle wie Andree Lübeck.
Sagt mir wo die Ellingers wohnen, damit ich mich auf den Weg machen kann.
Selbstgefällig, gefühlslos, feige und vieles Negative mehr, so ist das Dreckspack.

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