Kritik zu Rumba

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Schlimmer geht es immer: Komödie und Liebesgeschichte zugleich, erzählt der französisch-belgische Film vom absurden Einfallsreichtum des Unglücks und zwei Menschen, die trotz alledem gegen die Widrigkeiten des Lebens antanzen

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Dieser Film macht nicht viele Worte. Dominique Abels und Fiona Gordons Kinofantasie »Rumba« lebt von der Körpersprache. Zu Beginn unterrichtet die Lehrerin Fiona Schüler im Fach Englisch: »My dog…« Es sind für rund eine Viertelstunde die letzten Worte, die gesprochen werden. Fiona und ihr Freund oder Mann Dom steigen ins Auto, um an einem Wettbewerb im Rumba-Tanz teilzunehmen. Rumba – ein Paartanz mit ausgeprägten Hüftbewegungen – ist ihre Leidenschaft.

Der Sieg beim Wettbewerb im französischen Hinterland hat seinen Preis. Auf der Rückfahrt konfrontiert das Schicksal das Paar mit einem unbeholfenen und erfolglosen Selbstmörder (Philippe Martz). Um ihm auszuweichen, fährt Dom das Auto gegen die Wand. Er und Fiona überleben: Fiona minus Unterschenkel, Dom fortan geplagt von Amnesie und Desorientierung. Dies ist der Stoff, aus dem Dominique Abel und Fiona Gordon eine Komödie und eine Lovestory bereiten, eine clowneske Farce und eine philosophische Betrachtung über das Glück. Und vor allem: das Unglück. Jacques Tati und Buster Keaton hätten ihre Freude an »Rumba« gehabt. Claire Childérics Kamera blickt so unbewegt wie einst Keaton auf eine Welt, die einer unbarmherzigen Dramaturgie gehorcht: Schlimmer geht es immer. Das zeigt sich, wenn zum Beispiel Dom seiner geliebten Fiona ein Liebeslied auf der Gitarre schenkt und die Idylle vor knisterndem Lagerfeuer eigentlich perfekt erscheint – bis Fionas neue Beinprothese Feuer fängt, das Haus in Flammen auf- und Dom irgendwie verlorengeht. »Rumba« folgt einer Choreographie des Absurden.

In den langen, statischen Einstellungen des 77-Minuten-Films gewinnt das Chaos eine besondere Spannung und Intensität. Abel, Gordon und der ebenfalls – als Schokocroissant-Dieb – auftretende Bruno Romy schaffen szenische Miniaturen aus stummfilmhaftem Slapstick und surrealer Komik. Der Film stellt seine Künstlichkeit aus, er malt seine Welt in bunten Farben. Aber jenseits des Künstlichen gibt es Momente der Poesie, die ins Herz treffen. Wenn Fiona (mit Krücke) und Dom gleichsam gegen das Schicksal antanzen, wenn ihre Sehnsüchte als Schattenspiel inszeniert werden – immer wieder findet der Film wunderbar einfache Einfälle, um Menschen zu feiern, die sich von den Widrigkeiten des Lebens nicht unterkriegen lassen.

Die Kanadierin Fiona Gordon sieht sehr englisch aus: die beste Voraussetzung für mimisch knochentrockene Komik. Dominique Abel wurde in Belgien geboren. Seine Figur Dom ist ein sehr beweglicher Spargeltarzan, der mit staunenden und melancholischen Augen die Welt betrachtet. In einer Szene des Films wandert er ziellos umher und sieht dabei aus, als sei er der letzte Mensch auf Erden. Doch die Rumba ist ein Paartanz und dieser Film auch eine Liebesgeschichte. »Für uns ruft Rumba etwas Tiefes, Körperliches und Sinnliches hervor«, sagt Dominique Abel. »Wir wollten ein sehr eng verbundenes Paar zeigen. Der Tanz ist der ideale Ausdruck ihrer Leidenschaft und Harmonie.« So ist ein glückliches Ende programmiert.

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