Kritik zu R.E.D.: Älter. Härter. Besser.

© Concorde Filmverleih

Während das europäische Arthouse-Kino die Sexualität alter Menschen erkundet, zeigt das amerikanische Actionkino, dass Veteranen immer noch zu kämpfen verstehen

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Zu Beginn verwandelt sich eine verschlafene Suburb in ein Schlachtfeld. Dass es ein Trupp schwarzvermummter Ninja-Krieger in der Vorweihnachtszeit auf einen hier lebenden Pensionär abgesehen hat, ist schon ein herber Kontrast. Wenn der Pensionär, Frank Moss, allerdings von Bruce Willis verkörpert wird, kann man sich denken, dass er nicht so harmlos ist – und dass er mit diesen Gegnern natürlich fertig werden wird. Dass das allerdings vergleichsweise mühelos gelingt (und relativ unblutig gezeigt wird), setzt den Tonfall für den Rest des Films – »R.E.D.« basiert auf einem Comic aus dem Hause DC.

Frank Moss ahnt, dass ihn seine Vergangenheit eingeholt hat, denn er stand jahrzehntelang in den Diensten der CIA. Kurzerhand entführt er Sarah (Mary-Louise Parker), jene Sachbearbeiterin, die seine Pensionsschecks ausstellte und mit der er eine romantisch angehauchte Telefonbeziehung pflegte, wohl ahnend, dass sie wegen des Kontaktes mit ihm in Gefahr ist. Mit ihr im Schlepptau macht er sich auf die Suche nach seinen Kameraden von einst. Während Joe (Morgan Freeman) es sich in einem Altersheim gutgehen lässt, gibt Victoria (Helen Mirren) zu, dass sie das Führen einer kleinen, feinen Pension nicht aus füllt – gelegentlich erledigt sie noch kleine Aufträge als Profikillerin. Noch präsenter ist die Vergangenheit für Marvin (John Malkovich): Sein Wohnsitz ist eine gut getarnte Festung, er selber tritt im Kampfanzug auf, eine Waffe immer in Reichweite. Das offensichtliche Musterbeispiel für einen paranoiden Verschwörungsfreak mag durch die jahrelange Verabreichung von LSD zu Versuchszwecken so geworden sein, aber wenn es darum geht, eine Gefahr zu erkennen, kann man sich auf seinen Instinkt verlassen.

Indem der Film diese Figuren nach und nach einführt, lässt er sich Zeit, sie ebenso lakonisch wie plastisch zu charakterisieren, und gibt ihren Darstellern die Möglichkeit, sie auszufüllen, wobei sie auf frühere Rollen zurückgreifen können. So ruht Morgan Freeman einmal mehr in sich selber, erweist sich Helen Mirren als schlagkräftig mit britischem Understatement, während John Malkovich erneut einen ziemlich durchgeknallten Typen gibt. Der Spaß dabei ist ihnen anzusehen, das gilt auch für Brian Cox in der Rolle eines russischen Attachés. Den Veteranentreffen-Charakter des Films unterstreichen noch zwei Kurzauftritte von Ernest Borgnine. Im Wechsel zwischen verbalen Frotzeleien der Exkollegen und Actionszenen entfaltet sich die Geschichte. Dass ihr Verfolger, ein junger CIA-Agent, versiert im Umgang mit hochmodernster Technik, dabei ebenso professionell zu Werke geht, aber trotzdem immer wieder das Nachsehen hat gegenüber der akkumulierten Erfahrung von mehreren Jahrzehnten, verhindert, dass »R.E.D.« (was für »Retired, Extremely Dangerous« steht) allzu harmlos komisch wird.

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