Kritik zu [REC]

© 3L Filmverleih

2007
Original-Titel: 
[REC]
Filmstart in Deutschland: 
08.05.2008
L: 
78 Min
FSK: 
18

»The dead will walk the earth« ... again. Aber beim Filmfestival in Venedig entzückte dieser kleine, gut gemachte spanische Horrorfilm die Kritikergemeinde, und auch in seiner Heimat war [rec] ein Riesenerfolg

Bewertung: 4
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Ein Zweierteam eines lokalen Fernsehsenders in Barcelona bereitet sich darauf vor, Feuerwehrleute auf ihrer Nachtschicht zu begleiten. Beim Warten auf einen Notruf plappert die aufgekratzte Jungreporterin vor der Kamera herum und weist Kameramann Pablo an, sie von ihrer Schokoladenseite aufzunehmen. Nicht nur, weil wir stark vermuten, dass am Ende auch dieses hübsche Gesicht in einem Inferno aus Blut und Geheul untergehen wird, macht sich im Publikum Vorfreude breit. Wenn Pablo und Angela nach der provozierend gemächlichen Exposition doch noch zu einem Einsatz brausen, scheint über der Altbau-Mietskaserne das Logo von Dantes Höllentor zu schweben: »Fremder, der du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren.« Unten im Flur ergeht sich eine Handvoll übernächtigter Mieter in Spekulationen über eine scheinbar demente alte Dame, aus deren Wohnung markerschütterndes Gebrüll ertönt. Und während das Gesundheitsamt das Gebäude überfallartig unter Quarantäne stellt, beginnt treppauf, treppab das bekannte Gemetzel nach dem Motto: Kind beißt Mutter.

Das internationale Kino, seit einigen Jahren erneut vom Zombievirus befallen, tobte sich zuletzt in elegischen Weltuntergangsszenarien wie Will Smiths »I am Legend« oder selbstreferenziellen Spielchen a la »Planet Terror« aus. Hier hat man es mit der dritten, handfesteren Variante der Zombies von nebenan zu tun, wie sie auch »Shaun of the Dead« bevölkerten. Doch so virtuos wie vom spanischen Regieduo Jaume Balaguero und Paco Plaza, bisher nur im eigenen Land bekannt, wurde schon lange nicht mehr die Angstlust des Publikums gekitzelt. Der Titel [rec] bezeichnet das Symbol für die Aufnahmetaste einer Videokamera, und tatsächlich ist der ganze Film konsequent im Reality-TV-Stil mit subjektiver Kamera gedreht. Kameramann Pablo, der von Angela unaufhörlich Beschworene, bleibt bis zum Unhappy End, das vom schwummrigen Negativsucher beleuchtet ist, unsichtbarer Zeuge des Grauens. Die Methode, zuletzt in »Cloverfield« zu sehen, ist nicht nur hip, sondern erweist sich in diesen begabten Händen als ebenso dynamische wie ökonomische Erzählweise. Nervenzerfetzend ist hier vor allem das, was man nicht sieht - was sich außerhalb der Bildausschnitte oder während der schwarzen Ellipsen abspielt. So dauert die­se Chronik angekündig­ter Tode dank taktsicheren Timings nur 83 Minuten und findet im eleganten Finale noch Muße, das Missing Link zwischen Zombie und traditionsreicherem Satansgezücht dingfest zu machen.

Das ansonsten intellektuell mätzchenfreie Geschehen erinnert in seiner Drauflos-Attitüde manchmal an den unbefangenen Charme des Horrorklassikers »Evil Dead«. Neben handwerklichem Geschick macht ein spezifisch spanisches Temperament dieser Geisterbahn Dampf: Statt in Zeitlupe vor sich hinzutorkeln, benehmen sich hier nicht nur die Zombies wie gedopt. Spätestens wenn die Hausgemeinde mit voller Lautstärke durcheinanderquasselt, sich mit »Cogno!« und »Cabron!« anraunzt, ist der Zuschauer mittendrin. Angelas verzweifeltes »Pablo!« klingt noch lange in den Ohren.

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