Kritik zu Rebellinnen – Leg' dich nicht mit ihnen an!

© Concorde Filmverleih

Willkommen bei den Armen: Allan Mauduit lässt ein Trio von Arbeiterinnen über die Widrigkeiten des Lebens im rauen französischen Norden triumphieren

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Es ist eine relativ neue Erkenntnis der Filmgeschichte, dass das Publikum auch mit Charakteren fiebern kann, die ihm zunächst nicht besonders sympathisch sind. Ganz frisch ist dieser Impuls nicht; seine Anfänge darf man wohl im Italowestern verorten, der das Hohelied der Niedertracht sang und die Zuschauer auf eine gleichsam kinetische Empathie mit Gier und Schäbigkeit einstimmte.

Der Auftakt von »Rebellinnen« knüpft keck an diese Tradition an. Wenn Sandra (zuerst kaum wiederzuerkennen: Cécile de France) zu Beginn in der Einöde des französischen Nordens strandet, eignet ihr das Flair einer Westernheldin, die schon zu viel von der Welt gesehen hat. Der Name des Campingplatzes, auf dem sie Zuflucht vor ihrem gewalttätigen Freund sucht, ist von blanker Ironie: Eden. Subtiler wird es auch fortan in Allan Mauduits Komödie nicht mehr zugehen. Vor zehn Jahren wurde Sandra zur Schönheitskönigin der Region gekürt, nun lässt ihr die gebrochene Biografie nur noch die Möglichkeit, am Fließband der Fischkonservenfabrik zu schuften. »Du bist keine Prinzessin mehr«, staucht die alte Schulkameradin Marilyn (Audrey Lamy) sie zusammen, »du bist jetzt Abschaum wie wir.«

Sandra nimmt die soziale Deklassierung zunächst gelassen hin. De France gibt sie als unerschütterliche Stoikerin, die im Zweifelsfall gehörig austeilen kann. Der tritt ein, als ihr neuer Boss sie vergewaltigen will. In dieser Szene, die derb mit Kastrationsängsten spielt, nimmt der Film eine rabiat schwarzhumorige Wendung. In der Tasche des Verletzten entdecken Sandra, Marilyn und ihre patente Kollegin Nadine (Yolande Moreau) einen Haufen Geld. Das stellt sie kurzzeitig vor ein moralisches Dilemma, aus dem der Unfalltod des üblen Vorgesetzten sie bequem befreit. Nadine hat auch sofort eine Idee, wie sie dessen Leiche entsorgen können – schließlich hat sie Jahrzehnte damit verbracht, Konservenbüchsen zu füllen. Sodann stellt sich heraus, dass das Geld aus Drogengeschäften stammt und nun von ein paar Belgiern zurückverlangt wird, die keinen Spaß verstehen.

Von nun an gerät das Trio von einem Schlamassel ins nächste. Ein schreckhafter Ganove (Simon Abkarian) tritt auf den Plan, den ein unoriginelles Geheimnis mit Sandra verbindet, sowie ein Polizeiinspektor, dem nicht zu trauen ist. Das Drehbuch hat unverdienten Spaß an der Kaskade von Verwicklungen, aus denen es sich stets rüde hinausstiehlt. Alles dient dem denkfaulen Tarantino-Epigonen im Regiestuhl als reine Manövriermasse. Hätte es das tranige Erzähltempo tatsächlich gebremst, wenn er etwas genauer auf Charaktere und Milieu geschaut hätte? Eingedenk der munteren Darstellerinnen und des sozial brodelnden Schauplatzes wäre mehr zu erbeuten gewesen als Karikaturen und Klischees. Es gäbe Spielraum zwischen Prinzessin und Abschaum. Aber wogegen seine Heldinnen eigentlich rebellieren, interessiert den Regisseur nicht. Ihm genügt, dass Nadine gut mit einer Schrotflinte umgehen kann.

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