Kritik zu A Quiet Place

© Paramount Pictures

Eigentlich ein B-Picture-Stoff: Die Erde wird beherrscht von fleischfressenden Aliens, die alles jagen, was Geräusche macht. Wie überlebt man als Familie mit Kindern, wenn man keinen Laut von sich geben darf?

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Die Idee ist großartig: Das gierige Monster ist zwar blind, hört dafür aber das Gras wachsen; die potenzielle Beute sieht sich also dazu gezwungen, möglichst kein Geräusch zu verursachen, will sie nicht entdeckt und gefressen werden. Still und leise sein ist gar nicht so einfach, das weiß jedes Kind. Aber auch Erwachsene laufen gerne mal schreiend davon, wenn ein Wesen auf sie zurast, das aus riesigen Fleischermessern zu bestehen scheint, auf denen ein reißzähnebewehrtes Megaohr thront. Wobei Schreien dann natürlich ganz verkehrt ist. Das Davonlaufen wiederum ist nicht so leicht, wenn man hochschwanger ist und einem außerdem der Fuß wehtut. Dann gilt es, allen instinktiven Reflexen zuwiderzuhandeln, die in Jahrhunderten menschlicher Evolution verfeinert wurden, und stocksteif und stumm zu verharren, in der Hoffnung, dass der Kelch, also das Monstrum, an einem vorübergeht. Mit Emily Blunt in der Rolle der Evelyn Abbott kämpft hier – in »A Quiet Place«, dem knackigen Horrorfilm ihres Ehemanns John Krasinski – zum Glück eine Schauspielerin, der man das alles abnimmt: ein hohes Maß an Selbstbeherrschung sowie die Fähigkeit, auch unter Stress vorausschauend den Überblick zu wahren.

Familie Abbott (Vater Abbott verkörpert Regisseur Krasinski selbst) zählt zu den wenigen Überlebenden einer nicht näher begründeten Messerohrmonster-Invasion und lebt auf einer Farm inmitten von Feldern, Wiesen und Wäldern. Flüsternd hat man es sich dort recht hübsch eingerichtet; alles könnte gut sein, würde die Versuchsanordnung nicht dadurch kompliziert, dass eines der Kinder, Regan, gehörlos ist, also weder eine Ahnung davon hat, was sich wie anhört, noch davon, wie laut genau es ist. Dargestellt wird diese Regan von der gehörlosen Millicent Simmonds, die kürzlich in Todd Haynes' »Wonderstruck« ihr vielbeachtetes Schauspieldebüt feierte.

Das Wissen um die Lautstärke bringt das Publikum mit, das sich unversehens zum Teilnehmer eines Spiels gemacht sieht, das einen Gutteil des unheimlichen Vergnügens dieses Films ausmacht. Man sitzt im Kinosessel und lauscht und schaut, und weil es auf der Leinwand sehr leise ist, wird es auch im Saal ganz still. In einer solch andächtig auf Details und Feinheiten ausgerichteten Atmosphäre braucht es dann keine »Jump-Scares«, das Geräusch einer fallen gelassenen Stecknadel reicht. Und wenn es dann doch einmal kracht, dann hat das einen guten Grund – und üble Konsequenzen.

Dem auralen Overkill des gegenwärtigen Kommerz-Mainstreamkinos setzt dieses altmodische Creature-Feature also Reduktion und Konzentration entgegen und lässt auf der Tonspur eine höchst begrüßenswerte Sorgfalt walten. Leider gilt dies nicht gleichermaßen für das Drehbuch, in dem Löcher in der Größe von Scheunentoren klaffen, die selbst dann noch sichtbar sind, wenn man beide Augen zudrückt. Man kann eben nicht alles haben, und möglicherweise gibt es für diese Lücken ja auch ganz muntere Erklärungen, nur dürfen die halt nicht ausgesprochen werden – wegen der hellhörigen Klingenviecher.

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