Kritik zu A Perfect Day

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Fernando León de Aranoas minimalistische Komödie über den Jugoslawienkrieg beschreibt den absurden Alltag einer internationalen Hilfstruppe

Bewertung: 3
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

Den Krieg zeigt das Kino zumeist als bittere Tragödie oder als bitterböse Komödie, beklemmend realistisch oder lustvoll over the top. Also entweder »Angriffsziel Moskau« oder »Dr. Seltsam«, »Deer Hunter« oder »M.A.S.H.«, »Hurt Locker« oder »Three Kings«. »A Perfect Day« zählt eher zur zweiten Kategorie, er widmet sich dem Jugoslawienkrieg vor allem mit sanfter Ironie und leisem Humor. Auf derbe Übertreibungen kann er dabei verzichten; die Dinge sind so, wie sie sind, schon abstrus genug.

Ironisch ist auch der Titel gemeint; die Geschichte spielt allerdings nicht an einem, sondern an zwei alles andere als perfekten Tagen. Es ist das Jahr 1995, die prekäre Zwischenphase des Nicht-mehr-Krieg-aber-noch-nicht-Frieden. Irgendwo im zerklüfteten Bergland versuchen Mambrú (Benicio del Toro) und B (Tim Robbins), beide langjährige Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation, zusammen mit ihrem Team, den Menschen vor Ort zu helfen. Aktuell sollen sie die Leiche eines dicken Mannes aus einem Brunnen ziehen, eine vermeintlich simple Mission, die sich schnell als kompliziertes Unterfangen entpuppt. Zum einen weil das einzige verfügbare Seil dem Gewicht der Leiche nicht standhält. Zum anderen weil hier womöglich das Wasser gezielt vergiftet werden soll, sei es aus blanker Feindseligkeit, sei es aus kapitalistischen Motiven.

Die Suche nach einem neuen Seil führt die Hilfstruppe durch das ebenso weitläufige wie unübersichtliche Kriegsgebiet. So kann Regisseur Fernando León de Aranoa, der hier selbst einen Roman von Paula Farias adaptiert hat, verschiedene Aspekte des Balkankonflikts zeigen: die mürrische Unzugänglichkeit der vom Leid gezeichneten Einwohner, die zerstörten Dörfer mit ihrer apokalyptisch anmutenden Atmosphäre, die Kasernen und Straßensperren, die allenthalben lauernde Gefahr. Seine Inszenierung betont dabei vor allem die Absurdität der Situation; man müsste drüber weinen, wenn es nicht so zum Lachen wäre. Je länger etwa das Team seinen Job zu erledigen versucht, desto grotesker werden die Widerstände. Verminte Kuhkadaver blockieren die Serpentinen, Händler erklären ihre Ware mit lächerlichen Begründungen für unverkäuflich, bornierte Soldaten halten die Helfer unter Hinweis auf Paragrafen und Gesetze von der Arbeit ab.

Für so viel törichte Sinnlosigkeit haben der Film und seine Protagonisten nur Spott und Zynismus übrig; besonders del Toro und Robbins stemmen sich mit furiosem Sprachwitz gegen die Vergeblichkeit ihres Tuns. Die Frauen im Team – Mélanie ­Thierry als idealistische Nachwuchsaktivistin Sophie und Olga Kurylenko als kritische Controllerin Katya – werden dagegen vom Drehbuch weniger großzügig versorgt, sie bleiben weitestgehend Beiwerk. Wenig macht der Film auch aus der Vorgeschichte von ­Mambrú und Katya. Die große Sache, als die ihre ­unverarbeitete Affäre anfangs eingeführt wird, erweist sich sowohl in emotionaler wie in humortechnischer Hinsicht als Rohrk­repierer.

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