Kritik zu Our Grand Despair

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Zwei Männer und eine Frau in Ankara: Seyfi Teoman erzählt in seinem zweiten Spielfilm zartfühlend, zurückhaltend und mit viel Zeit von einer Dreiecksgeschichte der etwas anderen Art

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Der Film setzt auf einer schwermütigen Note ein, die dem Titel entspricht. Man sieht eine Trauergesellschaft in einer Wohnung in Ankara; Familienmitglieder und Freunde beweinen den Tod von Nihals Eltern, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Ihr aus Deutschland angereister Bruder bittet die beiden Studienfreunde Ender und Cetin, sich um das verstörte und traumatisierte Mädchen zu kümmern, bis sie ihr Studium abgeschlossen hat.

Anfangs empfinden die beiden Männer um die 30, die sich mit ihrer sanftmütigen, leisen Art auf für den hiesigen Zuschauer irritierende Weise dem gewohnten Männermachismo der türkischen Gesellschaft widersetzen – zunächst könnte man sie fast für schwul halten – die Verantwortung für das Mädchen als Zumutung. In leisen Tönen und ruhigen, geradlinigen Bildern entfaltet Seyfi Teoman in seinem zweiten Spielfilm, der auf der vergangenen Berlinale als türkischer Wettbewerbsbeitrag lief, eine sperrige Ménage à trois, eine Zweckund Notgemeinschaft, die bald zwischen väterlicher Fürsorge, brüderlicher Freundschaft und keimender Liebe oszilliert.

Es dauert eine Weile, bis sich Nihal aus der Trauerstarre löst – und mit ihr der bisweilen arg spröde Film –, bis sie sich von der zurückhaltenden Nähe der beiden Männer langsam ins Leben locken lässt, bis sie auftaut, zu sich selbst findet. Bei ihrem Schauspieldebüt setzt Günes Sayin in dieser Rolle eine betörende Mischung aus mädchenhafter Unschuld und weiblichem Charme frei, dem sich auch die beiden Männer bald nicht mehr entziehen können. Als Nihal anfängt, neue Freunde aus der Uni mitzubringen, können sie ihre Eifersucht nur mühsam zügeln. So spiegelt sich in der sachten Annäherung zwischen den beiden Männern und der jungen Frau zugleich die Haltung, die man auch als Zuschauer dem Film gegenüber einnimmt: zunächst widerwillig, aber zunehmend vereinnahmt.

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