Kritik zu Neulich in Belgien

© Senator/Wild Bunch

In der erfolgreichen belgischen Debütkomödie wird eine verlassene Ehefrau von einem weit jüngeren Trucker umgarnt

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Der Himmel ist konstant verhangen, und auch Matty zieht eine Miene wie viele Tage Regenwetter. Wenn die von ihrem Mann wegen einer Jüngeren sitzengelassene Mittvierzigerin ihren Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebt, scheint das ganze Elend eines desillusionierten Geschlechts aus ihrem Gesicht zu sprechen. Doch als sie beim Ausparken einen Lkw touchiert und sich in eine Schimpfkanonade mit dem verblüfften Fahrer Johnny stürzt, zeigt sich, dass in dieser Zitrone noch viel Saft ist. Auch Johnnys anschließendes Werben um die dreifache Mutter, die gut 12 Jahre älter ist als er, setzt statt auf verbale Umgarnung auf konkrete Taten; zuerst repariert der raue Trucker ihr Auto, dann darf er mit ihr einen trinken gehen. Doch ihr Noch-Ehemann Werner, eifersüchtig angesichts der unerwarteten Konkurrenz, stellt Nachforschungen an.

In Belgien wurde das Regiedebüt von Christophe van Rompaey zum Kassenschlager. Das ist neben dem gut gebauten Drehbuch, in dem sich Humor und Melancholie die Waage halten, wohl dem Wiedererkennungswert seiner Protagonisten geschuldet. Die Liebeskomödie im Umfeld des Arbeiterviertels Moscou bei Gent setzt auf den Charme des Ungehobelten, auf die Unverblümtheit und den Mutterwitz dialektaler Dialoge. Wie im Erfolgsfilm »Willkommen bei den Sch'tis«, der im nordfranzösischen Lille spielt, gilt Anraunzen als Sympathiebeweis. Besonders Matty verabscheut Süßholzraspeln. Barbara Sarafian wirkt wie eine Frau, »aus der man was machen kann«, bleibt aber optisch wohlweislich bei der Tiefstapelei, was dazu führt, dass ein angedeutetes Lächeln zum Ereignis wird. Und auch der Frosch, selbst wenn man ihn gegen die Wand wirft, verwandelt sich nicht in einen Märchenprinz. So steht Matty vor der Wahl zwischen einer Beziehung, so muffig wie die Strickjacke, in die sie sich wickelt, oder so unfallträchtig wie die sexy roten Schuhe, die Johnny aus Italien mitbringt und die ihr zu klein sind. Eine unromantische Romanze mit einem Happy End zwischen Pest und Cholera, ehrlich wie das wahre Leben.

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