Kritik zu Magic Mike XXL

© Warner Bros.

Channing Tatum schwingt erneut das Tanzbein im zweiten Aufguss von Steven Soderberghs kleinem Überraschungsfilm von vor drei Jahren. Wieder geht es launig um die Sorgen und Nöte des Stripperdaseins in schweren ökonomischen Zeiten 

Bewertung: 2
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 2)

Das größte Problem benennt der Film gleich am Anfang selbst: Drei Jahre lang war Magic Mike nicht mehr bei seinen Stripperjungs, die sich fürs Selbstwertgefühl lieber als »Male Entertainer« bezeichnen. Nun klopfen sie bei ihm an, weil sie es auf der Stripper Convention in Myrtle Beach noch ein letztes Mal krachen lassen wollen. »Wie soll das funktionieren, ohne Dallas?«, fragt Mike zu Recht. Denn Matthew McConaugheys Dallas war das feurig schlagende Herz der Truppe, Anheizer und Zugpferd zugleich, mit rückhaltlos lasziver Sexiness. Nun hat er sich abgesetzt, um sein eigenes Ding aufzuziehen. Vermutlich hat McConaughey einfach einen Blick ins Drehbuch geworfen und sich danach nicht mal zum Cameo-Auftritt überreden lassen.

Auch das zweite Problem benennt Tatum als Mike selbst, wenn er den Jungs einen gehörigen Pep-Talk verpasst. Da hat er sich schon entschieden, bei diesem Wochenendtrip mitzuziehen. Routine nach Schema F darf es auf keinen Fall sein, fordert Mike, eben nicht die üblichen Feuerwehrmänner und Cops mit Löschschläuchen und Phallusprügeln. »Wolltest du jemals Feuerwehrmann werden?«, bedrängt er einen alten Kumpel. Statt lahme Posen zu bieten, sollen sie ihr tiefstes Inneres anzapfen und auf die Bühne und vor die Frauen bringen. 

Genau das möchte man auch Gregory Jacobs zurufen, der als Regieassistent für Soderbergh schon seit »Out of Sight«, bei den Oceans-Filmen, »Magic Mike« und zuletzt bei »Liberace« dabei war, in diesen sehr langen Assistenzjahren aber offensichtlich wenig gelernt hat. Sicher, dieses Sequel war von vornherein eine riskante Angelegenheit, da hätte es jemanden mit einer guten Portion respektloser Frechheit, echtem Biss und Stil gebraucht. Stattdessen ist »Magic Mike XXL« nur eine fade Nummernrevue geworden, ein Roadtrip mit Stationen im Schwulenclub, in einer Stripperbar und in einem Haus voller Desperate Housewives, darunter Andie MacDowell mit Südstaatenakzent. 

Vielleicht hätten die Backgroundtänzer, die jetzt ins Zentrum gerückt sind, gut daran getan, neben dem Fitnessstudio auch einen Schauspielworkshop zu besuchen. So bleibt nur Channing Tatum, der immer noch mitreißend tanzen kann, zum Beispiel wenn er im Workshop seiner Firma von den zuckenden Rhythmen aus dem Radio erfasst wird, wie eine starre Marionette, die zu furiosem Leben erwacht und Werkzeuge wie Eisenstangen und Schlagbohrer zu Accessoires eines herausfordernden Balz-Breakdances macht. Oder wenn er im Verbalclinch mit einer trotzig-wütenden Beachbekanntschaft (Amber Heard Depp) ein paar echte Flirtfunken entzündet. Doch am Ende bleiben auch diese Möglichkeiten nur lose herumhängende Enden. Da hilft es auch nicht, dass Steven Soderbergh unter seinen bekannten Arbeitspseudonymen Peter Andrews und Mary Ann Bernard für Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet.

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