Kritik zu Lemonade

englisch © déjà-vu film

Das Spielfilmdebüt von Ioana Uricaru erzählt von einer jungen Rumänin, die in den USA gearbeitet und geheiratet hat. Jetzt braucht sie eine Green Card. Und die Einwanderungsprozedur wird zu einem schmerzhaften, demütigenden Prozess

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»Lemonade« ist einer dieser Filme, die sich mit bedrohlicher Ruhe anschleichen: Zu Beginn sehen wir, wie die junge Rumänin Mara (Mälina Manovici) im Krankenhaus geimpft wird, wie sie während der anschließenden Autofahrt mit ihrem Mann einen Schwächeanfall erleidet und schließlich mit einem berechnenden Beamten (Steve Bacic) der amerikanischen Einwanderungsbehörde spricht. Weil ihre Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ausgelaufen ist, braucht Mara dringend ihre Green Card. Dafür muss die gelernte Krankenpflegerin durch den US-Einwanderungsapparat.

Die bürokratische Sterilität in den ersten Minuten von loana Uricarus Langfilmdebüt macht argwöhnisch. Langsam und mit erschreckender Nüchternheit zieht die Rumänin, die das Drehbuch gemeinsam mit Tatiana lonacu geschrieben hat, die Daumenschrauben an. Dass Mara ihren Patienten Daniel (Dylan Scott Smith) sehr schnell und kurz vor Ablauf ihres Visums geheiratet hat, wird skeptisch beäugt. Der kritische Beamte versucht, sie der Scheinehe zu bezichtigen und stellt Fragen zum intimsten Privatleben. »Hatten sie vorehelichen Verkehr?« keift er sie später in seinem Auto an, in das er die verzweifelte Frau gelockt hat. Spätestens hier versinnbildlicht sich die erste Einstellung des Films: Dort hatte sich Mara für die Untersuchung ausgezogen, hier nun fordert das System ihre Blöße. Uricaru geht allerdings einen Schritt weiter, denn, das hatte sich bereits angedeutet, der Beamte verfolgt eigene perfide Interessen.

»Lemonade« ist ein leises, eindrückliches Statement gegen Xenophobie und  Machtmissbrauch. Seine Kraft entfaltet der Film durch den differenzierten Blick und seine Ambivalenz. Darin steckt die große Stärke: Dass Uricaru sich dem Thema der Populisten völlig unpopulistisch nähert und die emotionale Komplexität des Migrationsprozesses eher andeutet als auszubuchstabieren. Ob Mara Daniel wirklich liebt, wie sie ihm und dem Beamten beteuert, bleibt ebenso unklar wie klar wird, dass sie für ihren Sohn Dragos (Milan Hurduc) alles tun würde.

Auch wenn Maras Geschichte filmisch auf die Spitze getrieben wird, ist ihre persönliche Hölle stets wahrhaftig und so konsequent erzählt, dass es schmerzt. Das zurückhaltende Spiel Mälina Manovicis ist dabei schlicht einnehmend. Immer wieder tastet die Kamera in Großaufnahmen über ihr Gesicht, in dem sich Angst, Hoffnung und auch Stärke manifestieren. Verbündete findet sie neben einer rumänischen Freundin schließlich in der Schulleiterin von Dragos und einem serbischen Anwalt. »Um erfolgreich zu sein, muss man ein erfolgreiches Bild vermitteln«, erklärte er augenzwinkernd. Den eigenen amerikanischen Traum hat er ironischerweise durch gefälschte Diplome angekurbelt.

Uricaru erzählt von aktuell allgegenwärtigen Themen: von den Folgen der Globalisierung und der vielerorts auf Protektionismus bauenden Systeme. »Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade draus«, lautet das Sprichwort, auf das sich der Titel bezieht. Was würde auch ohne Optimismus bleiben?

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