Kritik zu Krystal

© Kinostar Filmverleih

2017
Original-Titel: 
Krystal
Filmstart in Deutschland: 
18.10.2018
L: 
93 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die zweite Regiearbeit von William H. Macy erzählt von einem Teenager, der sich in eine Mittdreißigerin verliebt

Bewertung: 2
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Vor vier Jahren inszenierte der Schauspieler William H. Macy seinen ersten Kinofilm: »Rudderless«, ein leise, melancholische Studie über einen trauernden Vater (Billy Crudup); es war kein »leichter« Film, in Deutschland erschien er nicht mal auf DVD. Macys neuer Film ­»Krystal« kommt um einiges gefälliger daher. Es geht nicht um Tod und Trauer, sondern um Lebensfreude und Erwachsenwerden. Die Grundstimmung ist nicht melancholisch, sondern eher, nun ja, »humorvoll«.

Im Mittelpunkt steht der 18-jährige ­Taylor (Nick Robinson), Sohn eines bürgerlich-intellektuellen Ehepaars, das von Macy und seiner realen Ehefrau Felicity Huffman gekonnt zwischen liberaler Bräsigkeit und Selbstironie austariert wird. Die Familie lebt in der malerischen Küstenstadt Savannah, Georgia; man bewohnt ein gediegenes Haus, die Mutter ist Poetin, der Vater Literaturprofessor, der ältere Bruder versucht sich als Künstler. Nur Taylor scheint aus der Art geschlagen: Orientierungslos von all der Freigeistigkeit stolpert er durchs Leben, leidet an handfester Paranoia und hat eine »seltene«, nicht näher erläuterte Herzkrankheit, die in Stresssituationen zu Ohnmacht führt. Das alles soll diesen Charakter vermutlich tiefgründig machen, tatsächlich aber wirkt Taylor eher wie eine eitle Wohlstandsgöre ohne Frustrationstoleranz, dafür mit Neigung zu hysterisch ­bedingter Hyperventilation.

Als er sich in die Mittdreißigerin Krystal (Rosario Dawson) verliebt, eine alleinerziehende Mutter und Exstripperin, scheint sein Leben endlich eine Perspektive zu bekommen. Um seine Traumfrau zu beeindrucken, gibt der blasse Hänfling sich als weitgereister Existenzialist mit schwarzer Lederjacke und dickem Motorrad aus. Dass eine lebenserfahrene Frau wie Krystal von solch pubertären Lächerlichkeiten nicht sofort in die Flucht geschlagen wird, ­gehört zu den Rätseln des Films.

Es passt aber ins Bild, denn auf ähnliche Weise vergreift der Film sich fortwährend im Tonfall und der Charakterzeichnung, als hätte Macy sich nicht zwischen Coming-of-Age-Drama und Gesellschaftskomödie entscheiden können. Wann immer eine interessante Figur auftaucht, wird sie bald ins Alberne gezogen, jeder dramatische ­Ansatz löst sich in hysterischem Klamauk auf. Durch die wiederkehrenden Spielorte hat das etwas von einer Sitcom, nur ohne den Witz. Das wirkt umso ermüdender, weil die diversen Handlungsebenen ohnehin für drei Filme reichen würden: Von Stalking, Untreue und Körperbehinderung bis zu Ersatzmüttern, Drogenmissbrauch und Klassenkonflikten ist alles dabei – als hätte wirklich jede Idee des Story-Brainstormings ihren Weg ins Drehbuch gefunden. Manchmal funktioniert das, etwa bei den sinnfrei-schönen Auftritten von William Fichtner als lakonischem Krankenhausarzt, meist aber verläppern sich die Ansätze im Nirgendwo.

So wirkt »Krystal« überfrachtet und leer zugleich, zu tiefgründelnd für eine Komödie, zu harmlos für eine Satire und für einen Coming-of-Age-Film zu ­kindisch.

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