Kritik zu It Follows

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In Robert David Mitchells (The Myth of the American Sleepover) zweitem Spielfilm wird eine Gruppe von Teenagern in einem Vorort von Detroit von einem sexuell übertragbaren Fluch heimgesucht

Bewertung: 4
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5
5 (Stimmen: 1)

Die Wiedergeburt klassischen Schreckens aus dem Geist des amerikanischen Independentfilms: Der zweite Langfilm von Robert David Mitchell, der letztes Jahr auf den Filmfestivals in Cannes, München und dem Fantasy Filmfest Furore machte, erwies sich in den USA als ein Überraschungserfolg im Kino. Dort spielte er innerhalb von zehn Wochen 14 Millionen Dollar ein (bei einem geschätzten Budget von zwei Millionen Dollar), und so hat sich auch der deutsche Rechteinhaber zu einer Kinoauswertung entschlossen.

Robert David Mitchells minimalistische Erzählweise ist zugleich bildmächtig: In den Cinemascope-Kompositionen setzt er immer wieder auf die Spannung zwischen Vorder- und Hintergrund. Dabei befinden sich im Vordergrund meist die Protagonisten, während im Hintergrund eine Person sichtbar wird, die sich langsam nähert und das Böse verkörpert – sich manchmal aber auch als völlig harmlos erweist.

Angesiedelt in einem Vorort von Detroit, wo leere Straßen das begrenzte Budget eines Indiefilms ebenso symbolisieren wie städtischen Verfall, erzählt er von einer Gruppe von Teenagern, die sich mit einem Fluch konfrontiert sieht. Wer ihn auf sich lädt, der wird vom Bösen zu Tode gebracht, man kann ihn aber abwenden, wenn man ihn rechtzeitig weitergibt. Die Weitergabe erfolgt durch Sex. So hat ihn Jay gerade von ihrem neuen Freund Hugh bekommen. Der Sex war einvernehmlich, aber danach betäubte er sie, und als sie wieder zu sich kam, war sie an einen Stuhl gefesselt, und er erklärte ihr, wie sie den Fluch abwenden könne: indem sie mit einer anderen Person schlafe. Was für sie, bei ihrem Aussehen, doch wohl kein Problem sein dürfe, fügte er noch hinzu. Schon da verlagert der Film seine sexuellen Konnotationen von der Art der Übertragung des Fluches auf das Verhältnis von Männern und Frauen: Hugh, der unter falschem Namen ein verfallenes Haus angemietet hatte, ist der Feigling, Paul, Jays Sandkastenfreund, und Greg, mit dem sie einst eine Beziehung hatte, sind die Helden, beide erklären sich bereit, den Fluch von ihr zu nehmen. Oder steht dabei etwas anderes im Vordergrund?

Über die genaue Natur des Fluches schweigt der Film sich aus, wir erfahren nur so viel, wie wir und die Protagonisten wissen müssen: Das Böse kommt in Menschengestalt (die nur diejenigen, die von dem Fluch betroffen sind, sehen können), es kann ein Mensch sein, den du kennst, oder auch ein Fremder. Es kommt geradewegs auf dich zu, kann sich nur langsam bewegen, bleibt aber zielgerichtet und hat übernatürliche Kräfte.

Das Fremde verbirgt sich im Vertrauten: Mit diesem Konzept knüpft It Follows an Klassiker wie Invasion of the Body Snatchers und The Thing an. Der Film entwickelt aber durch seine ganz und gar unaufgeregte, realistische Erzählweise und durch seine im Alltag verankerten Figuren eine zusätzliche Dimension und setzt auf die Imagination des Zuschauers, so wie einst die Produktionen von Val Lewton, dessen Katzenmenschen mit der Sequenz in einem Schwimmbad hier Tribut gezollt wird.

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