Kritik zu Ichi – Die blinde Schwertkämpferin

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»Zatoichi, der blinde Schwertkämpfer«, hat sich durch zahlreiche Spielfilme und eine TV-Serie mit mehreren Staffeln gekämpft. Nun variiert Fumihiko Sori das Thema mit einer schönen schwertgewandten Frau im Mittelpunkt

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Wer nicht sehen kann, weiß nicht, wo die Grenze ist. Ist es Tag oder Nacht? Bricht der Weg plötzlich ab? Wer ist gut? Wer ist schlecht? Wo ist der Übergang? Ich erkenne es nicht. Ob ich am Leben oder tot bin, selbst das weiß ich nicht.« Mit diesen Worten offenbart sich die einsame blinde Wandermusikantin Ichi (Haruka Ayase) dem traumatisierten Samurai Toma (Takao Osawa), dem sie mehr durch Zufall das Leben gerettet hat. Die fünf skrupellosen Raufbolde, die Toma nach dem Leben trachteten, hat Ichi fix mit ihrer im Blindenstab verborgenen Klinge zur Strecke gebracht. Denn der traurige Samurai Toma kann selbst nicht mehr kämpfen, weil er als Kind beim Üben mit dem Schwert aus Versehen seiner Mutter das Augenlicht genommen hat. Diese beiden geschundenen Seelen geraten nun zwischen die Fronten zweier rivalisierender Banden, des guten Shirakawa-Klans und des bösen Banki-To-Klans, dessen Anführer Banki (Shido Nakamura) wie eine japanische Version des Piratenfieslings Captain Hook anmutet. Johnny Depp und seine modebewussten »Pirates of the Caribbean« haben offenbar auch bei den Ausstattern im fernen Japan ihre Spuren hinterlassen.

Die Figur der blinden Schwertkämpferin Ichi basiert auf dem in Japan überaus beliebten Samurai-Charakter Zatoichi, dessen Name eigentlich auch nur Ichi ist. Der Zusatz »Zato« ist im Japanischen eine abwertende Bezeichnung für blinde Menschen. Über den sehbehinderten Masseur auf der Suche nach mehr Gerechtigkeit in dieser Welt wurden mittlerweile 27 Spielfilme und eine TV-Serie produziert. Obwohl sich Takeshi Kitano 2003 mit seinem Remake »Zatoichi – Der blinde Samurai« vor dem Mythos verbeugte, hat man bei dem Namen Zatoichi vor allem den inzwischen verstorbenen Schauspieler Shintaro Katsu vor Augen, der den Wandermasseur seit den sechziger Jahren in 26 Spielfilmen und vier TV-Serien-Staffeln dargestellt hat.

Sicher ist es eine lobenswert zeitgemäße Variante, diese ikonenhafte Figur nun von einer schönen Frau spielen zu lassen. Auch weibliche Racheengel wie Lady Snowblood (dargestellt von Meiko Kaji) oder die wilde Ocho (dargestellt von Reiko Ike) aus »Sex and Fury« sind noch immer aktuelle Rollenvorbilder aus dem japanischen Exploitation-Kino der siebziger Jahre. Doch die 1985 geborene Jungschauspielerin Haruka Ayase kann den Vergleich mit einem gestandenen Leinwandtitan wie Shintaro Katsu natürlich nicht bestehen. Aber das muss sie auch nicht. Schließlich ist sie nur ein nicht besonders kühner Gegenentwurf. Ayase hat eine für Japan typische Karriere als »Idol«-Fotomodell, Serienschauspielerin und Popsternchen hinter sich und macht ihre Sache gut. Dicke Tränen kullern aus ihren blinden braunen Augen über das schöne Gesicht und bezaubern sicher das vorwiegend männliche Stammpublikum. So ist der Entschluss, Zatoichi mal von einer Frau spielen zu lassen, dann auch das Fortschrittlichste an dem neuen Film, der ansonsten brav den Genrekonventionen gehorcht, in meditativen Landschaftsaufnahmen schwelgt und die althergebrachten Handlungsmuster der Vorlage übernimmt.

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