Kritik zu The Hole in the Ground

© Weltkino

2019
Original-Titel: 
The Hole in the Ground
Filmstart in Deutschland: 
02.05.2019
L: 
91 Min
FSK: 
16

Lee Cronin spielt mit einem traditionellen Gruselmotiv, wenn er von einer allein­erziehenden Mutter erzählt, die plötzlich Zweifel daran bekommt, ob ihr Sohn noch ihr wahrer Sohn ist oder von bösen Mächten ausgetauscht wurde

Bewertung: 2
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Im Zerrspiegel wird Chris' Gesicht zu einer schrecklichen Fratze. Also schneidet der achtjährige Junge immer groteskere Grimassen und hat dabei riesigen Spaß. Seine Mutter Sarah steht ein paar Meter hinter ihm und betrachtet die schaurigen Reflexionen. In ihrem Blick liegt Sorge, vielleicht sogar Angst. Es dauert etwas, bis sie zu Chris tritt, ihre Arme um ihn schließt und mitmacht. Schließlich ist alles nur ein Spiel. Als die beiden dann zu Sarahs Jeep gehen, erhebt sich im Hintergrund drohend eine der Attraktionen des Rummelplatzes. »Road to Hell« heißt das Gruselkabinett, das sie gerade verlassen haben. Auf dieser Straße befinden sich Sarah und Chris allerdings schon. Und damit auch nicht der geringste Zweifel daran aufkommt, blickt Tom ­Comerfords Kamera senkrecht von oben auf den Jeep, während Sarah durch einen Wald fährt. Schließlich drehen sich die Bilder noch, bis die Welt auf dem Kopf steht.

Zurückhaltung ist ganz gewiss nicht Lee Cronins Sache. In seinem Spielfilmdebüt »The Hole in the Ground« setzt der irische Filmemacher jederzeit auf den größtmöglichen Effekt. Alles, noch die nebensächlichste Bemerkung, wird zum Zeichen einer ominösen Bedrohung. Sarah (Seána Kerslake) hat vor einiger Zeit Chris' gewalttätigen Vater verlassen und ist mit ihrem Sohn in ein großes Haus in der irischen Provinz gezogen. Aber Chris fühlt sich in der neuen Umgebung nicht wohl und vermisst seinen Vater. So kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Mutter und Sohn, die Sarah schließlich auf die Idee bringen, Chris sei nicht ihr Kind, eine gefährliche Macht habe ihren Sohn ausgetauscht. Das anfängliche Spiel im Spiegelkabinett wird für die beiden zu einer bitteren Realität.

Nicht zufällig heißt es einmal, Spiegel könnten nicht lügen. In ihnen offenbart sich das wahre Gesicht eines Menschen oder eben eines Wechselbalgs, eines vertauschten und damit bösen Kindes. Cronins Film gleicht dem Zerrspiegel auf dem Rummelplatz. Er entstellt, die psychologischen Aspekte der Geschichte ebenso wie die mythisch-märchenhaften. Eigentlich sollten sich diese beiden Seiten in etwa die Waage halten, so dass jede Szene den Zwiespalt vergrößert. Leidet Sarah am sogenannten Capgras-Syndrom, einer psychischen Erkrankung, die Menschen glauben lässt, einer ihrer nächsten Verwandten sei ein Fremder und Schwindler? Oder sollten die irischen Schauermärchen von Wechselbälgern und damit von einer düsteren Macht, die Kinder raubt und durch seelenlose Kopien ersetzt, doch keine Legenden sein?

Cronin spielt mit beiden Möglichkeiten. Aber letztlich nimmt er keine wirklich ernst. Die Verunsicherung wird zum Spiel mit dem Publikum, das er mit seiner effekthascherischen Inszenierung fortwährend manipuliert. Nur sind die Manipulationen derart offensichtlich, dass ihre Wirkung umgehend verpufft.

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