Kritik zu Gotteskinder
Regisseurin Frauke Lodders schildert eine Kindheit im Umfeld einer streng evangelikalen Freikirche
Zunächst ist David (Mark Waschke) noch liebevoll amüsiert, als seine kleine Tochter erzählt, sie habe im Kindergarten geheiratet. Als sie jedoch sagt, dass sie ihre Freundin Sabrina geheiratet hat, erstirbt das Lachen und es setzt eine Ohrfeige. Gleichgeschlechtliche Ehe, so der Vater, sei Sünde, auch beim Spiel. David und seine Frau Esther (Bettina Zimmermann) gehören einer evangelikalen Freikirche an, die vier Kinder werden streng religiös erzogen.
Evangelikale Freikirchen assoziiert man eher mit Berichten aus den USA, doch sie existieren auch in Deutschland und verzeichnen sogar einen Zuwachs. Regisseurin Frauke Lodders hat für ihren Spielfilm ein Jahr lang im Milieu der Freikirchen recherchiert. Nicht immer verbergen sich dahinter erzkonservative Strukturen, wie sie in einem Regiekommentar erklärt. Doch es gibt eben auch die radikalen, wie sie in »Gotteskinder« porträtiert werden. Die hier dargestellte Gemeinde veranstaltet poppig wirkende Partys und Gemeinschaftsabende, bei denen gesungen und auf der Gitarre gespielt wird. Gepredigt aber wird ein radikales, patriarchales Weltbild, in dem Homosexualität Sünde und Keuschheit eins der obersten Gebote ist. Unterstützt werden die Ansichten von radikalen Influencer*innen auf Instagram oder Tiktok.
Subtil ist Lodders' Darstellung nicht. Fast alle Gespräche innerhalb der Familie drehen sich um Jesus und den Glauben, quasi jeder Satz der Eltern beinhaltet eine Indoktrinierung. Es hätte sicherlich auch weniger Eindeutigkeit gebraucht, um die Zwänge aufzuzeigen, in denen die Kinder von David und Esther groß werden. Bei den beiden ältesten, Hannah (Flora Li Thiemann) und Timotheus (Serafin Mishiev), kollidieren diese Zwänge allerdings mit ihrer Lebensrealität. Hannah, überzeugtes und engagiertes Mitglied der Freikirche, entwickelt Gefühle für den frisch in die Nachbarschaft gezogenen Max (Michelangelo Fortuzzi). Da dieser sie zwar ebenfalls mag, mit Religion oder gar Keuschheitsgelübden aber nichts anfangen kann, kommt Hannah immer mehr in einen Konflikt mit sich. Der frisch getaufte Timotheus wiederum hat sich in seinen Freund Jonas (Lennox Halm) verliebt. Im Glauben, damit gegen Gottes Willen zu verstoßen, und besessen von der Angst, seinen Vater zu enttäuschen, kämpft Timotheus verzweifelt gegen seine Gefühle an und begibt sich schließlich in ein Seelsorgeseminar, das »Heilung« von den angeblich unreinen Gedanken verspricht.
Unmissverständlich führt »Gotteskinder« vor Augen, wozu eine solch fundamentalistische Erziehung führt: Selbsthass und ein Klima der Angst, in dem keiner sich traut, ehrlich zu sprechen. Dass am Ende auch Max im Seelsorgeseminar landet, gehört allerdings zu einigen der etwas arg konstruierten Handlungswendungen, die der Film bis zu seiner endgültigen Eskalation nimmt. Die inneren Kämpfe von Hannah und Timotheus aber sind stark und überzeugend gespielt. Deutlich wird dabei, wie schwer es ist, aus einem solchen Umfeld und einer solchen Erziehung auszubrechen. Auch wenn man sich als Zuschauer die ganze Zeit wünscht, dass Hannah und Timotheus genau dies tun.





Kommentare
Warum kann man keine
Warum kann man keine Schauspieler engagieren, die deutlich sprechen können? Die Hälfte konnte man nicht verstehen. Nur Genuschel, das man nicht verstehen konnte. Das Thema wäre wirklich interessant.
komplett unglaubwürdiger Film
wo ist die
Polizei in dem Film, die Staatsanwaltschaft?! welche 17-Jährige max lässt sich von zwei fremden Männern verschleppen in Seminar, nennen wir es mal so und ruft obwohl er ein Handy hat nicht die Polizei und erstattet keine Anzeige, ein völliger Blödsinn!
wer lässt sich vom Nachbar Vater einfach verprügeln und das bedeutet keine Anzeige wegen Körperverletzung, als rebellischer max!?
Gotteskinder
Holzschnittartig und schlecht gespielt. Aber um glaubhafte Emotionen und Geschichten geht es im deutschen film ja nicht. Hauptsache das thema ist gut. Dann gibt es auch Preise.
Kritik
Dramatisch u schauspielerische beeindruckend aber thematisch eher aus der Zeit gefallen. Überzeichnet Charaktere, eher im amerikanischen Umfeld vorstellbar. Junge Schauspieler sehr ambitioniert,, Eider hapert es an der Artikulation...
Gotteskind
Bin auch so ein Gotteskind, bin über 70 und kämpfe immer noch, frei zu werden.
Gotteskind
Bin 63 und kann diese Strukturen bestätigen. Ich kenne Tonbandmitschnitte von Dämonenaustreibungen.Bin die Scheixxe auch nie ganz los geworden. Meinen Kindern habe ich zumindest nicht mehr die Hölle gepredigt.
Spielfilm "Gotteskinder"
möchte die Eltern, die ihr eigenes Kind mit ihrem durch und durch kranken religiösen Fundalismus den Tod getrieben haben und den Pfaffen, der nach besten Kräften dabei geholfen hat, in jeder einzelnen Szene vor die Wand klatschen und wünscht Ihnen die Pest an den Hals. Was aus den bemitleidenswerten Kindern wird? Genauso durch und durch kranke Erwachsene, die mit ihren eigenen Kindern die gleiche Gehirnwäsche veranstalten. Ein aufrüttelnder Film, der von den drei jungen Darstellern herausragend gespielt wurde. Einzig Max in der religiösen "Therapie"-Gruppe ist eine logische Entgleisung, die nicht hätte sein müssen bzw. dürfen. Man wird hoffentlich mit weiteren Filmen mit den drei jugendlichen Hauptdarstellern rechnen dürfen.
Gotteskinder
Ich habe einen Hinweis darauf vermisst, in einer kurzen Dokumentation im Anschluss explizit darauf hinzuweisen, wie gefährlich die im Film dargestellte Denkweise für naive Gemüter sein kann.(s. „ Rauchen ist tödlich“)
Meinung zu Gotteskinder
Mich hat es tief erschüttert, bis an die Grenze des aushaltbaren. Diese Glaubenskeule die dort ständig nieder geprasselt ist und auch extrem genutzt wurde, ist für mich wie Folter gewesen.
Besonders die Szene, als die Jungs ihre Geschichte offenbaren sollten vor allen und diese „Fachmänner“ es genossen haben, sie zu demütigen im Namen Gottes.
Das der Ungläubige in dieses Camp gebracht wurde, ist denke ich der Dramaturgie geschuldet. So bekam er den Einblick und die Bestätigung, was hier falsch läuft.
Schade, das sich das Paar nicht nah genug war, um den Ausbruch gemeinsam zu wagen. Das Gelübde und die Blicke waren Enttäuschung für beide und Zwang, dem Vater zu gehorchen.
Ein wichtiger Film dennoch. Wir alle sollten genau wissen, wo wir uns einfangen lassen … nicht nur im Glauben, egal welchen Gott es betrifft.
Auch das Gespräch zwischen der Tochter und der Mutter und die Antwort, haben mir zu denken gegeben. Ein Vater, der wild war und durch den Glauben geläutert wurde…. Gesteht seinen Kindern keine Abweichung zu. Schwierig für mich und, ich weiß nicht, ob es ihm recht ist , das du es weißt - eine eigenartige Antwort
Kritik zu Kommentar zu Gotteskinder
Ich als Zuschauer wünsche Hannah und Max keinen gemeinsamen Ausbruch. Der Film macht mich sehr betroffen. Aber bei den unterschiedlichen Hintergründen sehe ich auch keine gemeinsame Zukunft für die Beiden.
Spiritueller Missbrauch
Die Szenen des Films zeigen, wie eng spiritueller Machtmissbrauch, psychische und körperliche Gewalt ineinander greifen. Gut, dass die Kirche sich nach Veröffentlichung der FORUM-Studie darüber immer tiefer bewusst wird. Wie befreiend wäre es, wenn sich mehr und mehr die jugendlichen Opfer dieser Missbrauchsstrukturen öffnen, reden, benennen, anzeigen - und Schulen, Lehrerinnen, Verwandte und Freunde genauer hinsähen! Es ist wohl noch ein weiter Weg!
Religiöser Zwang/ Film Gotteskinder
Ich finde den Film sehr bewegend, habe ähnliche Dinge in meiner Kindheit und Jugend erlebt.Man kann sich so viel schwerer aus einem religiösen Elternhaus lösen als von "normalen " Eltern.
christlicher Glaube
Ich wurde in einem evangelischem Kinderheim durch die christliche Angstreligion schwer traumatisiert. Das ist bis heute 50 Jahre danach immer noch so. Der Film konnte mich nicht beruhigen. Auch heute noch habe ich Angst vor der ewigen Strafe Gottes! Der Film hat meine Angst eher noch bestätigt!
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