Kritik zu Gegen jeden Zweifel

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2009
Original-Titel: 
Beyond a Reasonable Doubt
Filmstart in Deutschland: 
04.02.2010
L: 
109 Min
FSK: 
12

In Peter Hyams' Remake des Fritz-Lang-Klassikers schlüpft Michael Douglas einmal mehr in jene Rolle, die er quasi auf Autopilot geschaltet spielen kann: den rücksichtslosen Machtmenschen

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Den kaltschnäuzigen und durchaus auch gewalttätigen Geschäftsmann, der unter Druck gerät, hat Michael Douglas seit Oliver Stones »Wallstreet« und David Finchers »The Game« immer wieder aufs Neue variiert. Auf den ersten Blick ist er also in seinem Element, wenn er in Peter Hyams' Remake von Fritz Langs 1956 entstandenem Gerichtsthriller »Beyond a Reasonable Doubt« den skrupellos ehrgeizigen Staatsanwalt Mark Hunter spielt, der sich mit einer beachtlichen Serie glatter Mordverurteilungen für einen Gouverneursposten in Position gebracht hat. Die Erfolgsserie ruft allerdings den jungen Fernsehreporter C. J. Nicholas (Jesse Metcalfe) auf den Plan, der nicht glauben will, dass da alles mit rechten Dingen zugeht. Als sein Redakteur eine Kampagne gegen den mächtigen und angesehenen Mann ablehnt, inszeniert er ein hochriskantes Spiel. Er stilisiert sich selbst mit nachträglich beschafften Tätermerkmalen zum potenziellen Mörder, um den korrupten Staatsanwalt entlarven zu können, sollte er mit gefälschten Beweisen nachhelfen. Als sich kurz vor der Gerichtsverhandlung die entsprechenden Gegenbeweise infolge einer Kette von Einbrüchen und Mordanschlägen in Luft auflösen, hat der junge Reporter Mühe, seine Unschuld zu beweisen.

Während es Fritz Lang 1956 noch vor allem darum ging, die Todesstrafe anzuprangern, spielt Peter Hyams heute eher auf die übermächtige und allgegenwärtige Korruption in Recht, Politik und Wirtschaft an, das allumfassende Gefühl der Unsicherheit, das sich derzeit in einer ganzen Flut von Paranoiafilmen und Wirtschaftsthrillern niederschlägt. Um die schon zu Fritz Langs Zeiten ein wenig wackelige Prämisse zu überspielen, legt er vor allem beim Tempo zu. Was ihm an Finesse fehlt, kompensiert er mit atemlosen Verfolgungsjagden und erhöhter Gewaltbereitschaft, woran dann vor allem bald die Glaubwürdigkeit leidet. Dass ein Staatsanwalt allen Ernstes per Photoshop nachträgliche Beweise in die Polizeifotos einkopiert und sich ansonsten lästige Zeugen reihenweise per Auftragsmord vom Hals schafft, ist mit überzogener Machtgier und massivem Realitätsverlust allein nicht zu erklären. Auf weiten Strecken wirkt Michael Douglas dann auch so, als hätte er schon vor Jahren auf Autopilot geschaltet und jegliche Kriterien von Charakterlogik oder auch nur gesundem Menschenverstand in den Wind geschlagen. Und auch dem vor allem für seinen ansehnlichen Oberkörper (den er sonst in den »Desperate Housewives«-Gärten zur Schau trägt) bekannten Jesse Metcalfe fehlt der Biss und das Charisma, um als ehrgeiziger und zu allem entschlossener Reporter durchzugehen, der dazu noch der Meinung ist, dass man sich Pulitzerpreise mit Fernsehreportagen verdient. So muss einiger Zweifel erlaubt sein an einem Remake, das fast 30 Minuten mehr Zeit braucht, um ein Ergebnis zu erzielen, das erheblich weniger überzeugend ist als das ohnehin schon kritisierbare Original.

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