Kritik zu Funeral Casino Blues

© Eksystent Filmverleih/Pluto Film/IFFMH

2025
Original-Titel: 
Funeral Casino Blues
Filmstart in Deutschland: 
13.08.2026
L: 
154 Min
FSK: 
12

Mit faszinierenden Anleihen aus unterschiedlichen Genres begibt sich der deutsche Regisseur Roderick Warich in die thailändische Kultur und die flirrende Metropole Bangkok.

Bewertung: 4
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»The Trouble with Being Born« von Sandra Wollner und »Die Theorie von Allem« von Timm Kröger sind zwei jüngere Filme, die zeigen, wie innovativ der deutschsprachige Film inhaltlich und formal auftreten kann. Die kreative Keimzelle dahinter bildet eine Gruppe ehemaliger Studierender der Filmakademie Baden-Württemberg. Dazu gehören auch die Produzentin Viktoria Stolpe und Roderick Warich, der bei den Filmen von Wollner und Kröger am Drehbuch beteiligt war. Mit seiner zweiten Regiearbeit »Funeral Casino Blues« beweist Warich, dass man ihn auch als vielversprechendes Regietalent im Auge behalten sollte.

Dass es sich bei »Funeral Casino Blues« um einen deutschen Film handelt – in dem Sinne, dass er mit deutschem Team und Geld umgesetzt wurde –, erschließt sich zunächst kaum. Denn der Film spielt komplett in Bangkok und Umgebung und wurde auch auf Thai mit thailändischen Darsteller:innen gedreht. Angesichts des Konzepts dürfte es kein leichtes Unterfangen gewesen sein, deutsche Förderinstitutionen von dem Projekt zu überzeugen. Die Anfang zwanzigjährige Jen (Jutamat Lamoon) arbeitet als Mietfreundin für Touristen in der thailändischen Hauptstadt, um so ihre auf dem Land lebende Familie zu unterstützen. Als sie von einem solchen Date nicht zurückkehrt, macht sich der Barkeeper Wason (Wason Dokkathum), den Jen gerade erst kennengelernt hat, gemeinsam mit ihrer Freundin Pim (Jutarat Burinok) auf die Suche. Zunächst könnte man den Film für einen Thriller über Bangkoks kriminelles Milieu halten. Schließlich schlägt er aber eine ganz andere Richtung ein – hinab in die Geisterwelt von Stadt und Land. Sowieso lässt sich das, was Warichs Film ausmacht, nur schwer in Worte fassen. Es sind seine Farben, Töne und Klänge, seine hypnotische Wirkung, die den Film so faszinierend machen. Warich knüpft dabei ein dichtes Netz aus Zitaten mit Bezügen zu Anime, Retro-Horror-Spielen sowie asiatischem und europäischem Autorenkino.

Ähnlich wie »Only God Forgives« von Nicolas Winding Refn zeigt sich auch »Funeral Casino Blues« tief fasziniert von Bangkoks Neonlichtern und Parallelwelten. Doch während Refns Interesse an der thailändischen Kultur eher oberflächlich war und vor allem als Bühne für seinen Mix aus stilisierter Gewalt, visueller Fetischisierung und Ödipusdrama diente, geht Warich tiefer: Detailverliebt ließ er die Benutzeroberfläche des in Thailand allgegenwärtigen Messengers LINE für seinen Film nachbauen. Zudem erzählte er, dass er den Darsteller:innen bewusst große Freiheiten ließ, um seinen europäischen Blick nicht dominieren zu lassen. Ebenso konsequent verzichtet der Film auf das Auftreten von Farangs, wie westliche Ausländer in Thailand genannt werden. Obwohl Warich selbst ein Farang ist – oder vielleicht gerade deshalb –, gelingt ihm ein faszinierendes Porträt von Bangkok sowie von Land und Kultur Thailands zwischen Moderne und Tradition, urbaner Isolation und dem Glauben an Geister. Und wem all dies eher zweitrangig erscheint, der kann sich immer noch von Warichs berauschenden Bildern mitreißen lassen.

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