Kritik zu Full Metal Village

© Flying Moon

2006
Original-Titel: 
Full Metal Village
Filmstart in Deutschland: 
19.04.2007
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Wacken Rules!: Sung-Hyung Cho porträtiert ein deutsches Dorf

Bewertung: 4
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

»Freu Dich, Du bist in Wacken«, steht auf einem Schild vor dem Landgasthof. Wacken ist ein kleiner Ort in Schleswig-Holstein, 1.800 Einwohner, in der Nähe von Itzehoe. Zu Beginn des Films fährt die Kamera an geklinkerten Häusern entlang, wie um zu zeigen: nichts Ungewöhnliches dort oben. Wir sind Wacken, gewissermaßen. Doch einmal im Jahr, im August, ist Wacken für Heavy-Metal-Fans der Nabel der Welt: 40.000 kommen zum »Wacken Open Air«, abgekürzt »W:O:A«. Mit Gittern sind dann die Grundstücke an den Dorfstraßen abgesperrt, wenn die schwarz gekleideten Fans kommen, »Wacken Rules!« grölen, jede Menge Alkohol konsumieren und mit der Hand gern das Teufelszeichen machen. Mancher denkt vielleicht, dass das alles nicht recht zueinander passt, die deutsche Provinz und die harten Headbanger. Aber das ist nur scheinbar so.

Seit 17 Jahren, seit 1990, gibt es das Festival, und seit 17 Jahren lebt auch die Koreanerin Sung-Hyung Cho in Deutschland. Den Blick der Fremden in einem positiven Sinne hat sie sich immer noch bewahrt, wenn sie sich in dem kleinen Dorf bewegt, fragend und forschend. Denn in ihrer Dokumentation »Full Metal Village« geht es weniger um das Festival (das eigentlich erst im letzten Drittel Beachtung findet) als um die Bewohner des Dorfes. Zuerst dreht sich alles um den Alltag (»Kuh erst, wenn Kalb geboren«, sagt Bauer Plähn), aber zusehends lockt Sung-Hyung Cho aus ihnen auch ihre Probleme, Einstellungen und Tragödien hervor. Bauer Trede etwa äußert sich über die Schwierigkeiten der Landwirtschaft, die mehr und mehr Innovationskraft erfordert; seine Frau erzählt davon, dass sie eigentlich nie Bäuerin werden wollte. Täglich zehn Zentimeter soll der Mais ihres Hofes wachsen. Oma Irma ist Heimatvertriebene und Mitglied im Gemeindechor, ihre Enkelin Katrin möchte eigentlich auch mal raus aus Wacken. Bauer Plähn gehören die schönsten Momente des Films: wenn er vor einer Milchkanne sitzt und darauf wartet, dass sie sich auf 40 Grad erhitzt (»So macht Landwirtschaft Spaß«), oder wenn er rauchend seinen alten Traktor anwirft und nur noch Schwaden um ihn herum sind.

Überhaupt die Einstellungen: »Full Metal Village« kommt ganz ohne das übliche Authentizitätsgewackel mancher Dokumentarfilme aus, zeigt das Dorf und seine Bewohner in ruhigen, klaren Bildern. Und die Wolken ziehen über die flachen Wiesen, auf denen Kühe stehen. Eine kleine, abgeschlossene Welt. »Es gibt ja wohl auch Menschen in der Welt, die diese Musik mögen«, sagt Oma Irma über die Heavy-Metal-Fans, und erst nach einer halben Stunde fährt der Laster vom Event-Team mit den Dixi-Toiletten durch den Ort. Beim Festival treffen sich zwei Paralleluniversen – und sie kommen gut miteinander aus. Bauer Trede organisiert die Hilfskräfte, und so wie ein paar Fans Black Sabbath covern, darf auch die örtliche Feuerwehrkapelle auf einer Nebenbühne aufspielen. Die Metalheads stecken das nicht nur klaglos weg, sondern tanzen dazu sogar eine Polonaise.

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