Kritik zu Frühstück bei Audrey

© Neue Visionen

2025
Original-Titel: 
La Poupée
Filmstart in Deutschland: 
10.09.2026
L: 
80 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Nach »Die Bonnards« und »Die Farben der Zeit« stehen Vincent Macaigne und Cécile de France zum dritten Mal gemeinsam vor der Kamera.

Bewertung: 4
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Auf Rémi, ein Kunstrasen-Vertreter, wartet zu Hause eine blonde, in ein Negligé gekleidete … Puppe. Sie dient, vom Gegenüber beim Abendessen bis zum gemeinsamen Fernsehen und Im-Bett-Liegen, therapeutischen Zwecken. Denn Rémi kommt nicht über die Trennung von seiner Jugendliebe hinweg. In der Firma schwärmt er seinen Kollegen von seiner Verlobten Audrey vor, doch tatsächlich schwebt er am Rande des Nervenzusammenbruchs. Auch die Ankunft der neuen Kollegin Patricia findet Eingang in seinen abendlichen Monolog vor der Fake-Gefährtin – worauf diese plötzlich menschliche Regungen zeigt und Rémi in Panik versetzt.

Doch die Metamorphose des Plastikdingens in eine Frau aus Fleisch, Periodenblut und Dünnschiss wird in dieser Komödie nie groß diskutiert. Auch darin liegt der Charme dieses burlesken Märchens. Dieses erinnert von weitem an Vorbilder wie »Lars und die Frauen« oder zuletzt »Barbie«. Die »éducation sentimentale«, in der sich die Sexpuppe von der anspruchslosen und anhänglichen Ideal- zur launischen Allerweltsfrau und Rémi vom Neurotiker zu einem Mann, der sich was traut, wandelt, erweist sich stattdessen als drolliges Pygmalion-Spiel, in dem mit leichter Hand große Themen gestreift werden. Audrey beschert mittels unbefangenem sokratischen Fragen Rémi Aha-Erlebnisse, worauf in seinem Umfeld im Sitcom-Tempo alltägliche Geschlechterkonflikte durchdekliniert werden. Regisseurin Sophie Beaulieu adoptiert in ihrem Langfilmdebüt meist die feministische Insider-Perspektive samt Seitenhieben aufs eigene Geschlecht, kommt aber in Bezug auf Machogehabe etwas zahnlos daher.

Neben Vincent Macaigne in seinem gewohnten Auftritt eines wehleidigen Softies glänzt neben Zoé Marchal in ihrer ersten großen Rolle erneut Cécile de France als vielschichtige »starke Frau«. Als sportbegeisterte Kollegin Patti, deren maskuline Kumpelhaftigkeit ein Abwehrzauber gegen Liebeskummer ist, fungiert sie als umgekehrter Spiegel von Audrey. Doch ohne strategische »Fakes«, so die abgeklärte Botschaft, kommen weder Männer noch Frauen im Leben weiter.

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