Kritik zu Exit Through the Gift Shop

© Alamode

2010
Original-Titel: 
Exit Through the Gift Shop
Filmstart in Deutschland: 
21.10.2010
R: 
L: 
87 Min
FSK: 
6

Ist es Kunst? Happening? Intervention? Politik? Auf jeden Fall ist es in diesem Film ein großer Spaß. Der Graffitikünstler Banksy, von dem niemand weiß, wer er wirklich ist, hat den Streetartisten dieser Welt ein Denkmal gesetzt

Bewertung: 4
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»The world's first street art disaster movie« nennt der Graffitikünstler Banksy sein Kinodebüt, und es ist unwichtig, ob es sich dabei um einen Dokumentarfilm, einen Spielfilm oder ein Mockumentary handelt, also einen Spielfilm, der so tut, als sei er ein Dokumentarfilm. Es ist unwichtig, ob es einen Thierry Guetta wirklich gibt, der als Franzose in L.A. lebt, Retromode verkauft und nebenbei obsessiv Videos dreht. Und es ist völlig unwichtig, wer sich hinter dem Namen Banksy verbirgt. Seine Kunst ist authentisch jenseits der Vorstellung von Urheberschaft.

Und da leistet der Film einiges. Mit dem kalkulierten Chaos als Stilmittel gibt er Einblick in die Szene der Straßenkunst, zeigt, wie sie zwischen Verbergen und Offenbaren unter hohem Zeitdruck entsteht und wie sie wirkt, solange sie existieren darf. Er wolle mit seinem Film dasselbe für die Street Art tun, sagt Banksy in die Kamera, was »Karate Kid« für den Kampfsport getan hat. Und dieser Vergleich legt die Absicht dar. Hier geht es nicht um Bedeutung, nicht um sachliche Einordnung und erst recht nicht um kunsthistorische Analyse. Im Fokus des Films stehen das Happening, die Schwierigkeit der Entstehung und der einfache Witz dieser Bilder und Installationen. Die britische Telefonzelle, die Banksy entwendet und zersägt an derselben Stelle wiederaufgestellt hat, die sich küssenden Polizisten, die Gewehre mit Blumen – all diese Einfälle und Motive mögen für sich genommen banal sein, im Kontext der Öffentlichkeit aber bereichern Banksys Aktionen den Alltag. Wenn man die Grenze der Legalität einmal überschritten hat, ist alles erlaubt. Es sind Momente eines ideologiefreien Widerstandes, dessen Motor der reine Spaß ist. Und das ist es, was auch der Film will und hocherfolgreich leistet: unterhalten, solange er dauert.

Aber Banksy erzählt dann doch noch eine Geschichte, die so oder anders wirklich passiert sein könnte. Es ist die Geschichte vom überraschenden Erfolg eines Künstlers, der sich Mr. Brainwash nennt. Er hat sich aus jenem Thierry Guetta entwickelt, der ursprünglich nur auf der Suche nach den Helden der Street Art war und schließlich selbst einer wurde, mit einer Mega-Ausstellung in Los Angeles. Hier wird der Kunstbegriff freundlich unterwandert, wenn nötig mit einer Gehirnwäsche.

Banksy selbst stilisiert sich dabei zum Mythos in eigener Sache. Er ist gleichzeitig Initiator und Protagonist des Films, auch wenn man sein Gesicht nie sieht. Die Namenlosigkeit wird zur Marke, das Geheimnis zum Werbemittel. Der Mann im Dunkeln ist längst Teil des Kunstbetriebes geworden, einer, der mehr und mehr mit dem Markt verschmilzt. Der Hohn des Titels, den er sich von den Wegweisern in amerikanischen Museen geliehen hat, verflüchtigt sich dann auch. Moral ist dem Film kein Anliegen. Solange viele Museen in Amerika einen großen Teil ihres Budgets über Geschenkartikel finanzieren müssen, können sie den Besucher nicht entlassen, ohne dass er wenigstens einen Blick auf das Angebot geworfen hat. Banksy hat es geschafft, von seiner Kunst, die ursprünglich nur der Straße gehörte, zu leben. Das ist die große Leistung in einer halblegalen Szene, die Urheberschaft nicht kennt. Das Persönliche wird gehaltvoll anonymisiert und landet am Ende doch im Giftshop. So wird aus dem künstlerischen Spaß schließlich finanzieller Ernst. Und das ist auch keine moralische Kategorie.

Meinung zum Thema

Kommentare

...so viele hochtrabende Worte und letztendlich nur ein seichtes umschiffen der wirklichen Problematik, der sich der Film stellt: Kunst generell und in diesem Fall Streetart sind zu großen Teilen bloßer Ausverkauf von Lebensgefühl und Happening. Der Film muss gar nicht offenbaren wie groß der geskriptete Anteil ist, weil letztlich die Reaktionen der Betrachter und Käufer das wirklich traurige sind. Es ist den meisten Menschen schlicht egal wie aufrichtig und leidenschaftlich die Motivation des Künstlers ist, weil sie letztendlich sich selbst an der Teilnahme an den Austellungen bzw. den Käufen - schlicht dem "dabei gewesen sein" ihr kleines, dummes, verunsichertes Ego errigieren!

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