Kritik zu Endlich Witwe

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Sie kenne »reizende« Menschen, so die französische Regisseurin Isabelle Mergault, die zu höflich seien, um gegen die einengenden Regeln des Bürgertums zu verstoßen. Nun stellt sie sie ins Zentrum einer Komödie

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Komödien dürfen unglaubwürdig sein, sie dürfen alles überspannen, die Sprache, die Liebe, die Körper, das Scheitern. Die Protagonisten der Komödie durchlaufen Entwicklungsprozesse, die es den Schüchternen ermöglichen, ihre Angebetete zu küssen, und den Unvollkommenen, das vollkommen unmögliche Glück zu erhaschen, wie auch immer man sich dafür verrenken muss. Jede Komödie, die ihre Helden nicht verachtet, folgt dieser Veränderung mit Spott und Zuneigung. Verkenne dich selbst, dieser Grundsatz der Komödie, darf nicht grundlos überstrapaziert werden. Wenn die Zeit der Schadenfreude vorbei ist, muss die Komödie ihrem Protagonisten ein Potenzial zugestehen. Sonst ist der Protagonist einfach doof.

»Endlich Witwe« von Isabelle Mergault beginnt mit genretypischer Stagnation: Anne-Marie (Michèle Laroque) hat als Ehefrau des Schönheitschirurgen Gilberte Gratigny (Waldimir Yordanoff) keine Sorgen und wenig Freuden. Ihr selbstgefälliger Mann betrachtet nur noch die Fältchen, die er beim Liften hinter ihre Ohren schieben könnte. Immerhin hat Anne-Marie schon seit Jahren einen Liebhaber, Leó (Jacques Gamblin), den feurigen Bootbauer. Der will für ein halbes Jahr zum Segeltrip nach China reisen und fordert von Anne-Marie im Namen ihrer Liebe, dass sie mitkommt: die Chance, miteinander durchzubrennen. Während Anne-Maries Angst vor dem Eklat sie zurückhält, stirbt ihr Mann bei einem Unfall. Endlich Witwe!

Von wegen. Die anrückende Verwandtschaft, darunter ein 25-jähriger Sohn (Tom Morton), der sich betulicher benimmt als sein erzkonservativer Vater, übernehmen Anne-Maries Villa und klagen ihre Trauer ein. Das ist streckenweise komisch. Doch die Lust, mit Leó aufzubrechen, kommt nicht gegen Anne-Maries gute Manieren an. Hauptfigur und Film heulen sich aus. Geld ist genug da, irgendwann verläuft alles glimpflich. So funktionieren Soap-Operas. Komödien verraten sich auf diese Weise.

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